re:publica18: Europas größte Digitalkonferenz verbindet „Nerds“ mit „Normalos“

Autor: Gastautor
republicFoto: Timon Schorling

Gemeinsamer Beitrag von Timon Schorling, Paul Dietz, Maurice Fischl und Jonas Schmidt*

Die Sicherung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit – vor dieser Herausforderung stehen schlussendlich alle Unternehmen, egal aus welcher Branche und egal, ob global agierender Konzern oder national konzentrierter Mittelständler. Dass hierbei die Digitalisierung ein wesentliches Erfolgskriterium darstellt, wurde uns als Trendscouting Team der DZ BANK AG auf der 12. re:publica dieses Jahr wieder einmal bewusst. Immer mehr Besucher, immer mehr Referenten, immer mehr Bühnen. Die re:publica hat sich von einer kleinen „Bloggerversammlung“ zu Europas größter Konferenz zu den Themen Digitalisierung und Gesellschaft entwickelt.

Unter dem Motto „POP“ – Power of People – diskutierten dieses Jahr mehr als 1.000 Referenten auf 20 Bühnen vor rund 10.000 aufgeschlossenen Besuchern. Das Motto „POP“ drückt aus, dass sich die Online-Gesellschaft mittlerweile zum Mainstream und damit zu einer Pop-Kultur entwickelt hat.

Künstliche Intelligenz

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) wurde von vielen Rednern intensiv behandelt. Besonders ethische Fragestellungen und Visionen zur Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI boten die Grundlagen für interessante Diskussionen. Die Referenten waren sich insofern einig, als dass KI in Geschäftsprozesse und ins Marketing von Unternehmen integriert werden wird. Chatbots werden zum Beispiel schon bald den Erstkontakt zwischen Firmen und Kunden flächendeckend übernehmen.

Vor dem Hintergrund der sich verändernden Arbeitswelt stellte beispielsweise John Dylan Haynes (Hirnforscher an der Charité Berlin) klar, dass Menschen nach wie vor Fähigkeiten besitzen, mit denen sie in bestimmten Situationen Maschinen überlegen sind. Während Maschinen besser mit strukturierten Situationen (z. B. bei einem Brettspiel) umgehen können, besitzen Menschen ihre Stärken in unstrukturierten Situationen (Zitat „z. B. Orientierung auf dem Veranstaltungsgelände der re:publica“).

Nichtsdestotrotz wurde über folgende Fragen diskutiert: „Wie ist es möglich Jobs für den Menschen zu erhalten?“, „Wie wissen wir, das KI uns nicht überholt?“ Andreas Guadamuz (Senior Lecturer in Intellectual Property Law an der University of Sussex) diskutierte darüber hinaus über ethische und gesetzliche Verantwortung im Kontext der KI. Er warf folgende Fragen auf: „Kann ein Roboter das Gesetz brechen?“, „Wer haftet bei Unfällen autonom fahrender Autos“ und „Können Software-Entwickler für Taten ihrer KI ins Gefängnis gehen?“

Freiheit im Netz

Als Stargarst hat die Whistleblowerin und ehemalige US-Streitkraft Chelsea Manning ihr erstes Interview in Deutschland gegeben. In ihrem Vortrag warnte sie vor den Gefahren von Big Data und forderte die Einführung ethischer Standards bei Programmierungen, vor allem im Zusammenhang der Künstlichen Intelligenz. Zudem gab sie ein Statement für den respektvollen Umgang verschiedener Meinungen im Netz, ab.

Die Bundesjustizministerin Katharina Barley nutzte die re:publica, um auf den Datenschutzskandal von Facebook zu reagieren. Sie sprach ein Plädoyer für den Datenschutz im Internet aus. Barley forderte in diesem Zusammenhang eine internationale Datenschutzgrundverordnung, um weltweite Standards im Sinne der Nutzer zu schaffen. Dennoch mahnte sie, dass „Innovationen und Datenschutz nicht immer gegeneinander gestellt werden soll“, da Datensicherheit für alle wichtig sei.

Blockchain

Selbstverständlich wurde auch über das aktuelle Thema Kryptowährungen und die dahinterliegende Technologie der Blockchain diskutiert. Es wird deutlich, dass die anfängliche Goldgräberstimmung abflacht und die Konzepte „erwachsener“ werden. Die Blockchain Technologie sei keine Allzweckwaffe sondern lediglich eins von vielen Werkzeugen.

Innovationskultur in der Gesellschaft

Neben den Vorträgen und Podiumsdiskussionen bot der Messebereich zahlreiche Möglichkeiten zum interessanten Austausch zwischen Besuchern, Medienexperten, Innovationsmanagern sowie mit Gründern von Fintechs. Bei organisierten Meet-ups diskutierten wir über die Innovationsaktivitäten des deutschen Mittelstandes und die Frage, in wieweit die veralteten internen Strukturen gegenüber agilen Startups bestehen können.  Auffällig war der Themenkomplex der Virtual Reality (VR). Nicht nur die Medienunternehmen zeigten auf, welche Möglichkeiten die VR der Unterhaltungsbranche in Zukunft bietet, sondern auch deutsche Wirtschaftsunternehmen schilderten uns ihre Aktivitäten in diesem Segment. Die VR hat positive Einflüsse auf interne Prozesse, sowie auf das Kundengeschäft. Um die komplexen Trends leichtverständlich erklären zu können, wurden den Besuchern auch Workshops zum Storytelling angeboten. Fähigkeiten in dieser Disziplin werden zukünftig an Bedeutung gewinnen.

Das Start-up „Ottonova“ ist als erste „digitale Krankenversicherung Deutschlands“ positiv aufgefallen. Versicherte können alles über eine App abwickeln – sogar ärztlicher Rat kann mit Hilfe eines Videochats eingeholt werden. Der Arzt kann bei Bedarf sogar ein rechtssicheres Attest ausstellen oder ein rezeptpflichtiges Medikament verschreiben. Dieser Trend sollte auf jeden Fall in Zukunft sorgfältig beobachtet werden.

 

*Timon Schorling, Paul Dietz (beide Duale Hochschule Baden-Württemberg: Studiengang BWL Bank) und Maurice Fischl und Jonas Schmidt (Frankfurt School of Finance and Management, Studiengang: Digitalisierung, Innovation und FinTech) sind duale Studenten in der DZ BANK und im Trendscouting Team tätig.

28. Mai 2018, 7:02 Uhr

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2 Kommentare

Super Artikel! Ich bin stolz auf die jungen Menschen, die ihn verfasst haben und sich Gedanken um die Zukunft machen. Hut ab! Weiter so!

Überragend! Weiter so, die Arbeit der Trendscouts ist sehr wertvoll.

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