re:publica 2017: von der Tinderisierung bis zum Elektroauto

Autor: Michelle Berger
republicaFoto: Michelle Berger

Zusammen mit dem Trendscouting Team war ich auf der re:publica 2017 – Deutschlands bedeutendster Digitalmesse mit mehr als 9.000 Teilnehmern, 1.030 internationalen Speakern mit 500 Stunden Programm. Während Andrea Nahles in Halle 1 über bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert, spricht de Maizière in der Halle nebenan über die Zukunft des Datenschutzes. Parallel informieren sich die Teilnehmer draußen, bei einem kühlen Club Mate, über die neusten Startups.

Es waren in vielerlei Hinsicht inspirierende Tage und ich habe einige Themen mitgenommen, die mich zum Nachdenken anregt haben. Insbesondere möchte ich von den Herausforderungen der Digitalisierung und der Tinderisierung der Welt sowie der Energiewende und in dem Zusammenhang der Blockchaintechnologie berichten.

Herausforderungen der Digitalisierung

Alle Daten werden vernetzt und durchgehend in real-time in die Cloud geladen, die Anzahl der Dienste wird von Tag zu Tag größer und macht unser Leben vermeintlich einfacher und intuitiver. Doch eine Sache wird komplexer und komplizierter und es läuft einem eiskalt den Rücken herunter, wenn man mal genau drüber nachdenkt: die komplizierte Verwaltung sämtlicher Geräte, die Integration von Neugeräten, Entsorgung von Altgeräten und die Frage nach „ist das wirklich sicher?“, oder „was, wenn es eine Sicherheitslücke gibt?“. Stimmt, da war ja was. Neben „make life easy“ stellt uns die Digitalisierung vor neue Herausforderungen, die uns quasi dazu zwingen zum organisierten und verantwortungsbewussten „IT-Verwaltungs-Profi“ zu werden.

Auf der republica wurden drei mögliche Lösungen dafür vorgestellt:

  • Komplett ignorieren und dem Staat die Aufgabe über Schutzpflichten für Provider oder Haftungsbegrenzungen gegenüber Dienstanbieter überlassen
  • bewusst ausgewählten Plattformen wie Dropbox blind vertrauen
  • „Vereinfachung als Service einkaufen“ durch sogenannte „Digital Angles“, die sich über die Verwaltung unserer Daten und Geräte kümmern, der wir allerdings auch vertrauen müssen

Doch nicht nur im Privaten, sondern auch Unternehmen sehen die Komplexität und Sicherheitsfragen als Kernherausforderung der Digitalisierung.

Tinderisierung der Welt

Ein weiteres Thema war die „Tinderisierung der Welt“. Darunter versteht man die unglaubliche Informationsflut, die mittlerweile unsere Aufnahmefähigkeit übertrifft und somit zu einem Trend der Oberflächlichkeit führt. Die Schlagzeilen werden immer reißerischer und wir teilen die Beiträge, ohne sie vorher gründlich zu lesen. Es wird schwieriger, komplexe Inhalte zu vermitteln und unser Weltbild wird durch Algorithmen, die Rückschlüsse über unser Interesse schließen, segmentiert, enger und weniger divers. Haben wir den Blick über den Tellerrand verloren? Benötigt man aber nicht verschiedene Blickwinkel, um sich eine eigene Meinung zu bilden? Haben wir noch die Freiheit uns eine eigene Meinung zu bilden? Das Thema der Tinderisierung betrifft auch die Bankenbranche. Es reicht nicht, die Produkte ausführlich in Form von 50 Seiten Kleingedurcktes darzustellen. Die Kunden wollen kleine, verständliche Informationshäppchen, einfache Darstellungen und Entscheidungsgrundlagen. Aufgrund der kurzen Aufmerksamkeitsspannen im digitalen Netz, muss sich die Kommunikation mit den Kunden und der Verkauf der Produkte verändern.

Energiewende beschleunigen

Genauso spannend finde ich das Thema unter dem Hashtag „Energiewendebeschleunigen“. Wie man sieht: das Themenspektrum auf der republica ist sehr vielfältig. „Automatisch, vernetzt, geteilt und elektronisch“ – so beschreibt die Automobilbranche ihre eigene Zukunft. Aber woran hakt es noch? Elektroautos sind zwar vorhanden, es fehlt aber noch die flächendeckende Ladeinfrastruktur. Hierbei spielt auch das Thema Bezahlen eine Rolle. Dazu wurde eine Lösung in einem anderen Vortrag zum Thema Blockchain skizziert: Blockchain öffnet den Weg für Mikrozahlungen mit Hilfe von günstigen und effizienten Transaktionskosten. Wer weiß – vielleicht lädt sich unser Auto in Zukunft für 0,01€ mit Strom auf, während wir an der Ampel stehen? Und die Transaktionskosten sind so gering, dass es sich lohnt diesen Cent zu transferieren.

6. Juni 2017, 8:23 Uhr

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Ein Kommentar

bedanke mich für die sehr verständliche Er-
Klärung, der einzelnen Themen.
Gruß. M.N

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