Blockchain-Plattform: Mit finledger Schuldscheindarlehen digital abwickeln

Autor: Felix Eggert
Data SecurityFoto: Getty Images Andriy Onufriyenko

Der Schuldschein ist eine der ältesten Finanzierungsformen der Welt und seine Geschichte reicht bis in das Jahr 2000 v. Chr. zurück, als ihn Kaufleute im Alten Orient für den Handel einsetzten. Auch 4000 Jahre später sind Schuldscheine noch immer als risikoarme Finanzierungsform beliebt. So war 2018 mit einem Transaktionsvolumen von 23 Milliarden Euro eines der stärksten Jahre in der Geschichte der Schuldscheindarlehen. Ihr Abwicklungsprozess hat sich über die Jahrhunderte professionalisiert und wurde dadurch sicherer – aber auch komplexer und aufwändiger. Eine Vielzahl von manuellen Einzelschritten und das Verschicken der Urkunden und Geschäftsbestätigungen über den Postweg kostet Zeit. Oft vergehen Tage bis Schuldscheindarlehen endgültig abgewickelt sind. Mit der zunehmenden Digitalisierung hat auch die Finanzbranche Fortschritte bei der Emission von Schuldscheinen gemacht: Verschiedene Anbieter im Markt können so mittlerweile die Strukturierung und Platzierung von Schuldscheindarlehen auf digitalen Plattformen abbilden. Bestehende Lösungen fokussieren sich jedoch ausschließlich auf den Frontend-Bereich. Die eigentliche Abwicklung des Schuldscheins – also der gesamte Backend-Prozess – war bislang auch bei den digitalen Schuldscheinen weiterhin nur manuell möglich.

Gemeinschaftsprojekt finledger

Aus diesem Grund hat sich die DZ BANK mit drei weiteren Kreditinstituten zusammengeschlossen, um den gesamten Abwicklungsprozess von Schuldscheindarlehen erstmals komplett zu digitalisieren. Das Ergebnis der institutsübergreifenden Projektarbeit mit der DekaBank, dwpbank und der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale ist die Plattform finledger. Das Besondere: Die Plattform basiert auf der Blockchain. In einem Pilotgeschäft ist es den vier Kreditinstituten gelungen, die Emission eines Schuldscheindarlehens ohne Parallelprozess nur über die Plattform abzuwickeln. finledger bietet die Möglichkeit, alle Stufen der Emissionsabwicklung einschließlich Geschäftsbestätigung und Urkundenerstellung digital durchzuführen. Das vereinfacht und beschleunigt den gesamten Prozess: so hat das Projektteam die Einzelschritte im Vergleich zum bisherigen mehrstufigen Abwicklungsprozess um mehr als 50% reduziert. Auch ist es nicht länger nötig, Dokumente physisch zu verwahren oder Wertsendungen zu verschicken. Einzelne Prozessschritte werden über finledger in Sekundenschnelle ausgeführt und die Blockchain-Technologie reduziert Prozessrisiken und -kosten. Die automatische Echtheitsprüfung sichert Transaktionen zusätzlich ab und über die qualifizierte elektronische Signatur können Urkunden digital erstellt werden. Eine Übersicht der einzelnen Transaktionen mit dem aktuellen Bearbeitungsstand wird über die Plattform lückenlos dokumentiert und transparent dargestellt. Perspektivisch werden die Funktionen von finledger auch die vollständig digitalisierte Abtretung und Kündigung von Schuldscheindarlehen miteinschließen.

Das Pilotgeschäft ist der erste Schritt des zweistufigen Go-Live von finledger. Im nächsten Schritt wird dann ein Geschäft mit einem projektunabhängigen Partner durchgeführt. Nach Abschluss der Pilotphase wird die Plattform institutionellen Kunden, Banken und später auch Unternehmen zur Verfügung stehen.

23. Mai 2019, 12:13 Uhr

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