Disruption – verteidigen oder kämpfen? Ein Rückblick auf den Wissenschaftsdialog von Union Investment

Autor: Gastautor
IMG_5495_printFoto: Fritz Philipp

Wenn sich am frühen Montagmorgen knapp 100 Personen in einem Raum zusammenfinden, statt mit einem Kaffee am Bürotisch in die Arbeitswoche zu starten, muss ein spannendes Thema auf der Agenda stehen: der Wissenschaftsdialog von Union Investment. Vier Professoren referieren zum „Wandel etablierter Organisationen: Leadership und Umgang mit Disruption“.

Gastautorin: Vanessa Kuhn, VR Consultingpartner 

Am 7. Mai 2018 fand der alljährliche Wissenschaftsdialog von Union Investment statt. Die Veranstaltung stand ganz im Fokus des „Wandels etablierter Organisationen: Leadership und Umgang mit Disruption“.

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Prof. Dr. Frank Piller, Inhaber des Lehrstuhls für Technologie und Innovationsmanagement und Co-Direktor des INC Invention Centers an der RWTH Aachen

Prof. Dr. Piller leitete den Dialog mit den spannenden Erkenntnissen einer Bankenumfrage ein: risikoaverse Unternehmenskulturen und lange Umsetzungszeiten sind die größten Hürden für Banken in der Umsetzung von Innovationen. Auch das zeitgleiche optimieren bestehender Prozesse kostet Zeit und lähmt Innovationsthemen und -prozesse. Auf dieser Basis warten vier spannende Vorträge mit neuen Denkansätzen – jeweils im Anschluss diskutieren Vertreter von Union Investment und Volksbanken Raiffeisenbanken mit den Referenten über die neuen Impulse. 

 

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Dr. Dirk Lüttens, Post-Doc am Lehrstuhl für Technologie und Innovationsmanagement

„Stammtisch versus Blinddate“

Ganz exklusiv berichtete Dr. Lüttgens erstmals aus der Innovationsstudie 2017 der RWTH und ADG über den Umgang genossenschaftlicher Banken mit disruptiven Geschäftsmodellen. Er beschreibt unterschiedliche Möglichkeiten, dem Wandel zu begegnen. Ein Alleinstellungsmerkmal der Genossenschaftsbanken ist die „Kundennähe in der Region“. Die Zusammenarbeit der Banken untereinander von Region zu Region soll zudem geschärft werden. Dr. Lüttgens bringt Anregungen, wie neue Blickwinkel gewonnen werden anhand eines prägnanten Beispiels: „Wenn Sie jeden Tag mit denselben Freunden in die selbe Bar gehen, um Ihr Bier zu trinken, lernen Sie niemand neues kennen.“ Erst ein „Blinddate“ in einer neuen Bar eröffnet neue Blickwinkel. Externe Dienstleistern (z. B. im Bereich IT) können helfen den Innovationsgedanken voranzutreiben. Abschließend merkt Dr. Lüttgens an, dass neben der Umsetzung der Innovationen auch der Prozess des Change Managements berücksichtigt werden muss.

 

 

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Prof. Dr. Key Pousttchi, Inhaber des SAP-Stiftungslehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Digitalisierung

„Kill time“ für tägliche Relevanz

Mein persönliches Highlight war der interaktive Vortrag von Prof. Pousttchi, der über die Treiber des disruptiven Wandels in Banken berichtete. Seiner Forschung nach „durchdringt die IT jeden Winkel unseres Lebens“. Für den Genossenschaftlichen Verbund ist es nach Aussage von Herr Pousttchi in Bezug auf digitale Transformation wichtig, dass der Verbund gute, durchdachte und sichere Lösungen liefern muss, um zukunftsfähig zu sein. Der Nutzer deklariert eine App nur dann als sinnvoll, wenn die Verwendung Spaß macht. Erstaunen in den Gesichtern der Teilnehmer/innen bringt die Erkenntnis mit sich, dass der Hauptgrund, mobile Dienste zu nutzen „kill time“ ist. Hierunter ist kein Gaming zu verstehen, sondern die allumfängliche Nutzung.

 

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Prof. Dr. Andreas König, Inhaber des Lehrstuhls für BWL mit Schwerpunkt Strategisches Management, Innovation und Entrepreneurship

 „VUCA“-Monster verbreitet Angst und Schrecken

„VUCA“ als Schlagwort für Herausforderungen der Führung im Zuge der Digitalisierung – volatility, uncertainty, complexity und ambiguity. Wie arbeiten und führen wir also in Zeiten großer Unsicherheit und zunehmender Komplexität?

Konstruktives Denken im Gegenzug ist gefordert sowie Verständnis für Innovation und Digitalisierung. Auch der Mut zur Umsetzung darf nicht auf der Strecke bleiben. Auf dieser Basis empfiehlt Prof. Dr. König, dass jedes Unternehmen in der obersten Ebene eine Führungskraft mit tiefen Verständnis für Innovationen und IT beschäftigt. Wichtig ist, dass keine Scheu besteht, neue und innovative Ideen umzusetzen. Unterstützend hierzu können interdisziplinäre Teams helfen das Ideenmanagement zu fördern.

 

 

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Dr. Julia Hautz, Interimsprofessorin des Lehrstuhls für Strategie an der Universität Köln

„Sorry we‘re OPEN“

Mit dem Statement „sorry we’re open“ beschreibt Frau Dr. Hautz von der Universität Köln die Möglichkeit, dass Unternehmen den Strategiefindungsprozess „offen“ angehen sollen. Ein besonderes Involvement der Mitarbeiter wird erreicht. Auch Ideen von außen können frischen, innovativen Wind in die Strategie bringen. Demgegenüber stehen jedoch die Nachteile, dass die Evaluation der Ideen sehr zeitaufwendig ist und Mitarbeiter/innen Missmut entwickeln bei dem Gefühl fehlender Würdigung.

 

 

Voller neuer Inspiration und mit tollen Gedankenanstöße startet die neue Arbeitswoche. Ich habe selten so inspirierende Vorträge gehört und tolle neue Gedankenanstöße erhalten wie an diesem Vormittag. Wir freuen uns schon auf den Wissenschaftsdialog im nächsten Jahr.

 

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