B2B-FinTechs: Die „zweite Welle“ der Digitalisierung des Bankengeschäfts rollt an

Autor: Gastautor

Beitrag von Nadine Brecht*

Haben FinTechs im B2C-Bereich noch vor kurzem die Finanzbranche aufhorchen lassen, gibt es heute immer mehr dieser FinTechs, die sich auf den B2B-Sektor spezialisieren und damit in das Firmenkundengeschäft der Banken drängen.

B2B-FinTechs sind auf dem Vormarsch

In Deutschland gibt es über 500 FinTechs – junge, agile Unternehmen, die sich auf innovative, meist digitale, Finanzprodukte spezialisiert haben (FinTech = Unternehmen der Finanz-Technologie). In der „ersten Welle“ der Digitalisierung des Bankengeschäfts richteten die meisten FinTechs ihren Fokus auf das Privatkundengeschäft. Etwa die Hälfte der in Deutschland ansässigen FinTechs setzt in der „zweiten Welle“ seinen Fokus auf B2B-Kunden.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die CMS, Deloitte und ING initiiert haben, wurde die  deutsche B2B-FinTech-Landschaft umfassend untersucht und klassifiziert. Die Autoren der Studie schreiben:

„Nur 13 Firmenkunden-Fintechs (von 103) sind aufgrund der Ausrichtung ihres Geschäftsmodells als Freunde der Banken einzustufen. Nur vier davon sind Helfer, die Banken in ihren Prozessen unterstützen oder White-Label-Lösungen anbieten.“

Heutzutage gibt es nicht mehr nur reine Plattformen, die von Startups bereitgestellt und über die Services und Dienstleistungen vermittelt werden können. Das Leistungsspektrum der B2B-FinTechs ist mittlerweile umfassend gewachsen und reicht von Supply-Chain-Finanzierung über Zahlungsverkehr-Dienstleistungen bis hin zur Unterstützung im Außenhandel. Besonders Finanzierungsmöglichkeiten im Bereich des Supply-Chain-Managements und der Zahlungsverkehr bieten für FinTechs großes Potenzial, sich bei Unternehmen als zuverlässiger Partner bei der Prozessoptimierung und -automatisierung sowie der Effizienzsteigerung zu etablieren.

Traxpay und TrustBills bieten Lösungen

Traxpay und TrustBills beispielsweise haben Lösungen im Bereich Supply-Chain-Finanzierung entwickelt.

TrustBills ist eine webbasierte Auktionsplattform, auf der Lieferanten ihre Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (B2B) bilanzwirksam verkaufen, indem sie eine Auktion unter interessierten Investoren starten. Mit TrustBills können Unternehmen flexibel und ohne vertragliche Mindestvorgaben Handelsforderungen verkaufen und durch den bilanzentlastenden Verkauf Abnehmerrisiken eliminieren sowie ihre Kapital- bzw. Bilanzkennzahlen verbessern. Jeder Nutzer von TrustBills kann zudem Forderungen kaufen und somit das Working Capital Management weiter optimieren. Für die Nutzung von TrustBills benötigen Unternehmen ein Konto bei einer Partnerbank, die den oftmals für FinTechs schwierigen Identifikationsprozess übernehmen. TrustBills konnte die DZ BANK als erste Gesellschafterin und damit als Partnerbank gewinnen. Dadurch können alle Volksbanken Raiffeisenbanken ebenfalls Partnerbank von TrustBills werden. Für Partnerbanken ist TrustBills ein starkes Instrument für die Kundenbindung und -akquise sowie ein Wettbewerbsvorteil, da nur wenige Finanzinstitute TrustBills anbieten und beraten können.

Traxpay andererseits liefert eine Software für Augmented Payments – Zahlungen in Echtzeit. Diese kann alle Prozesse der Supply-Chain-Finanzierung und des Working-Capital-Managements optimieren und ermöglicht eine Ad-hoc Finanzierung jeder einzelnen Rechnung mit einer Kombination aller heute existierenden Finanzprodukte: Factoring, Dynamic Discounting, flexibles Skonto, Reverse Factoring, etc. werden auf einer einzigen Plattform optimiert. Für Lieferanten führt dies zu einem übersichtlichen Cash Management, der Vorteil für Käufer ist die einfache Integration in bestehende ERP-Systeme. Banken wiederum fungieren hier als Vertriebs- und Produktpartner und profitieren bei diesem Modell von Provisionen. Weiterer Vorteil für die Bank: Durch das zusätzliche Angebotsspektrum einer innovativen Finanzierung des Umlaufvermögens, erhöht sich die Kundenbindung.

Kooperation statt Konfrontation

B2B-FinTechs bieten spannende Lösungen, die für Unternehmen interessant sein könnten. Das Problem am Anfang ist – neben der Kapitalbeschaffung – meist auch das fehlende, in dieser Branche doch so wichtige Vertrauen, um sich einen rentablen Kundenstamm aufzubauen. Genau hier könnten Banken als strategische Partner gefragt sein. Sie genießen das Vertrauen der Kunden und verfügen über eine breite Kundenbasis. FinTechs wiederum können mit Agilität und einer großen Portion Innovationskraft punkten. Eine Kooperation beider Parteien kann hier durchaus Sinn machen.

*Nadine Brecht ist Trainee der DZ BANK im Bereich „Innovation & Digitalisierung“. Aktuell unterstützt sie das Vertriebsmanagement der Vereinigten Volksbank in Böblingen.

15. November 2017, 9:09 Uhr

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2 Kommentare

Der Traxpay-Link funktioniert nicht. Wie wäre es mit diesem hier? https://traxpay.com/wp-content/uploads/2017/10/TraxpayDE.zip

Nun ja, das Geschäftsmodell von Traxpay wird man heute sicherlich in Frage stellen müssen. Eine SaaS-Plattform für Zahlungen hat per se einfach zu viele Nachteile für eine Bank, egal mit welchen Features diese Plattform aufwartet. Die Abhängigkeit vom Anbieter stellt ein zu großes Risiko dar und das muss heute keine Bank mehr eingehen, wo zahlreiche FinTechs Softwarelösungen für Zahlungen anbieten ohne den Banken und Kunden die Plattform als SaaS aufzuzwingen.

Hallo Herr Hirsch,
besten Dank für den Hinweis – wir haben den Link entsprechend aktualisiert.
Viele Grüße
Christian Schmitz

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