Design Thinking: Wie können wir Mitarbeiter von der analogen in die digitale Welt begleiten?

Autor: Gastautor

Beitrag von Nadine Brecht*

Vor kurzem konnten die Teilnehmer des TeamUp-Traineeprogramms „Innovation und Digitalisierung“ der DZ BANK in die Geheimnisse des Design-Thinking-Ansatzes eintauchen, um zu lernen, wie man innovative Lösungsansätze entwickelt. Hierbei stand vor allem die Entwicklung eines Konzepts im Mittelpunkt, das die Mitarbeiter der genossenschaftlichen Finanzgruppe auf dem Weg in die digitale Transformation unterstützen soll.

Ein Erfahrungsbericht.

„Wie können wir die Mitarbeiter der Genossenschaftlichen FinanzGruppe von der analogen in die digitale Welt begleiten?“

Diese profane Frage stand im Raum, als wir uns an einem heißen Juli-Tag in Frankfurt zusammenfanden, um in die Grundzüge des Design Thinkings einzutauchen. Das erste, was wir an diesem Morgen gelernt haben: Fragen hinterfragen! Können wir mit dieser Fragestellung tatsächlich ein ganzheitliches Konzept entwickeln, hinter dem nicht nur wir, sondern auch die Mitarbeiter der Genossenschaftlichen FinanzGruppe stehen? So wurde nach einigen hitzigen Diskussionen unsere ursprüngliche Fragestellung folgendermaßen modifiziert:

„Wie können wir den Übergang von der analogen in die digitale Genowelt so gestalten, dass möglichst alle Genobank-Mitarbeiter diesen Transformationsprozess kennen, verstehen, akzeptieren und/oder mitgestalten?“

Anstatt also Gefahr zu laufen, ein Konzept zu entwickeln, das nur die äußeren Bedingungen anpasst, geht es nun darum, die Mitarbeiter in diesen Prozess aktiv einzubinden. Und hier begann der Design-Thinking-Ansatz: Los ging es mit Interviews, die wir mit einer bunten Mischung an Mitarbeitern der Genossenschaftlichen FinanzGruppe führten. Unsere Interviewpartner konnten hier über ihre Erfahrungen – positiv wie negativ – mit der Digitalisierung berichten.

Die gewonnen Erkenntnisse haben wir anhand von insgesamt fünf Personas verdichtet, die die verschiedenen Einstellungen und Bedürfnisse der Interviewpartner in Bezug auf die Digitalisierung am besten widerspiegelten. Aus den fünf ursprünglichen Personas haben wir uns nun die vier herausgepickt, die für uns das größte Potenzial hatten. In diesem Zusammenhang haben wir uns jeweils erste Ansätze überlegt, wie man diese Personen in Bezug auf die Digitalisierung (des Arbeitsplatzes) am besten ins Boot holen könnten. Bei der Ideenfindung haben uns übrigens diverse Kreativitätstechniken wie beispielsweise die 6-3-5 Methode, das Brainstorming, der Reizwortbandit oder auch die Kopfstandtechnik geholfen (mehr Infos hier).

Um unsere Ideen greif- und erlebbar zu machen, haben wir für jede Persona einen passenden Prototypen entwickelt. Am Ende kamen vier ganz unterschiedliche Lösungsansätze heraus. Die Ideen reichten von der Programmierung einer App bis hin zu einem individuell gestaltbaren, digitalen Schulungssystem, bei dem jeder Mitarbeiter nach seinen Bedürfnissen und Wünschen Schulungen absolvieren kann. Auch die Ausbildung von betriebsinternen „Digitalen Lotsen“, die den Mitarbeitern bei Fragen zur digitalen Transformation zur Seite stehen, wurde ins Prototyping mitaufgenommen.

Zum Schluss durften wir unsere Prototypen einem ausgewählten Fachpublikum vorstellen. Die beste Idee wurde ausgewählt und wird nun von uns weiter bearbeitet. Am Ende dieser beiden Workshop-Tage hatten wir also eine Idee in der Tasche, an der wir nun gemeinsam weiterarbeiten können. Und darum geht es doch letztendlich auch bei Innovationen: Aus ganz vielen Ideen, die eine zu herauszufischen die das Potenzial hat, die Welt zu verändern oder, wie in unserem Fall, die Arbeitswelt der genossenschaftlichen FinanzGruppe.

Design Thinking ist durchaus ein spannender Ansatz, um für komplexe Problemstellungen interessante und kreative Lösungsansätze zu finden. Ein erfolgreiches Konzept kann jedoch nur entstehen, wenn der Workshop von einem erfahrenen und kompetenten Moderator geleitet wird, der die Teams bei Schwierigkeiten in die richtige Richtung lenken kann und bei Bedarf kreative Impulse gibt.

Design Thinking ist keinesfalls ein Ad-Hoc-Prozess, der mal eben innerhalb von zwei Workshop-Tagen ein innovatives Konzept zur ultimativen Problemlösung hervorbringt. Vielmehr geht es darum, erste Impulse zu bekommen, um danach an der Problemlösung selbstständig weiter tüfteln zu können. Wichtig ist, dass das Team am Ende eines solchen Workshops auf gleicher Wellenlänge ist und auf Augenhöhe weiterarbeiten kann.

*Nadine Brecht ist Trainee der DZ BANK im Bereich „Innovation & Digitalisierung“. Aktuell unterstützt sie das Vertriebsmanagement der Vereinigten Volksbank in Böblingen.

30. August 2017, 8:42 Uhr

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3 Kommentare

Hallo Frau Brecht,
sehr interessanten Beitrag, denn Sie verfasst haben. Ich kann Ihre Erkenntnisse verstehen. Vielleicht bzgl. Design Thinking mal ein Denkanstoß: Design Thinking ist in erster Linie dafür gedacht Menschenzentrisch nicht Lösungen zu finden, sondern mit und für diese Menschen eine Herangehensweise für die eigenen Herausforderungen und formulierten Probleme zu fokussieren.
Sie werden sicherlich festgestellt haben, dass es gerade in der ersten Teilen des Design Thinking um den Menschen geht. Mich würde interessieren, ob Sie eine Recherche zu Ihren „Nutzern“ gemacht haben und dieses auch in den Design Thinking Prozess einbezogen haben. Gab es für die Nutzer einen Flashback bzw. eine Demo der Prototypen? Waren die „Nutzer“ Teil des Design Thinking Teams? Das sind elementare Punkte und Betandteile eines solchen methodischen Vorgehens.Ich hoffe der Workshop hatte den entsprechenden Umfang und die Details sind in diesem kurzen Blog nur ausgespart worden.
Bezüglich der Herausforderung vor die sich Ihr Team gestellt hat: Versuchen Sie sich einmal über die Methode und das Prinzip von Working out Loud zu informieren. http://www.workingoutloud.com In dieser Methode schaffen es Mitarbeiter sich die digitale Welt gemeinsam zu erschließen und Erfahren sowie Erkenntnisse für sich und ihre Arbeit zu sammeln. BG Sebastian Thielke

Hallo Herr Thielke,
herzlichen Dank für Ihr Feedback.
Gerne beantworte ich Ihre Fragen: Unsere „Nutzer“, sprich Mitarbeiter wurden im Vorfeld von uns gefragt, ob Sie Lust hätten mit uns ein Interview zu führen, bei dem es darum geht, ihre Erfahrungen mit der Digitalisierung mit uns zu teilen. Hierbei haben wir keinen bestimmten Mitarbeiterkreis angesprochen, sondern eher einen Aufruf gestartet und abgewartet, wer sich wohl hier melden würde. Zum Glück hat sich in diesem Zusammenhang eine bunte „Mischung“ zusammengefunden, die viele verschiedene Aspekte, Einstellungen und Meinungen zur Digitalisierung in den Raum geworfen haben. Im Vorfeld des Design Thinking Workshop haben wir tatsächlich eine Recherche gemacht, um zu schauen, wie generell die Einstellung der Arbeitnehmer zur Digitalisierung des Arbeitsplatzes ist. Die Ergebnisse dieser Recherche haben sich im Wesentlichen auch mit denen gedeckt, die wir auf Grund der Interviews innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe ermittelt haben. Eine Demo der von uns entwickelten Prototypen bei den Nutzern fand noch nicht statt, bis jetzt konnten wir unsere Prototypen nur einem kleinen Kreis an Mitarbeitern vorstellen, die nicht Teil des Design Thinking Teams waren, um ein erstes Feedback zu bekommen. Das Testen im größeren Kreis, folgt dann zu einem späteren Zeitpunkt.
Sie haben übrigens richtig erkannt, dass der Blogbeitrag nur eine stark verkürzte Fassung des tatsächlichen Umfangs unseres Design Thinking Workshops darstellt. In Bezug auf eine bessere Leserlichkeit, habe ich versucht, mich auf die wesentlichen Merkmale unserer Fragestellung zu konzentrieren.
Vielen Dank auch für den Tipp mit Working out Loud. Diese Methode wird bei uns hier schon intensiv genutzt und stetig ausgebaut. Wir fördern den (digitalen) Austausch beispielsweise über die Plattform „Just Social“.
Viele Grüße
Nadine Brecht

Hallo Frau Brecht,

vielen Dank für Ihre Antwort. Bezüglich des Working out Loud freut es mich natürlich sehr, dass diese Methode bei Ihnen schon Anwendung findet. Nur zur Aufklärung für mich: Sie nutzen die Working out Loud Circle, um den Mitarbeitern die digitale Welt näher zu bringen? Oder bezieht sich das Working out Loud rein auf die Arbeit mit der Plattform? Ich frage deshalb, weil Working out Loud eben die Aspekte der Methode und des Prinzips beinhaltet. Auf einer Plattform zu arbeiten und zu teilen entspricht hier dem Prinzip. Die Menschen mit dieser Art der Arbeit und den Möglichkeiten des Digitalen vertraut zu machen entspricht der Methode – Working out Loud Circles.

Danke für Ihre Antwort.

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