Sharing Economy – zurück zu genossenschaftlichen Werten: Wie können Banken den Sharing-Trend neben Airbnb & Co. erfolgreich umsetzen

Autor: Elena Nikiforow
Event Hamburg Mobility

In den vergangenen Jahren hat sich ein Trend entwickelt, der dabei ist, viele Lebensbereiche und Wirtschaftssektoren zu verändern: die sogenannte „Sharing Economy“ oder auch „Share Economy“.

Sharing Economy bezeichnet nach Gablers Wirtschaftslexikon das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitiges Bereitstellen von Räumen und Flächen, insbesondere durch Privatpersonen. Bei der Ökonomie des Teilens geht es somit nicht primär darum, allein etwas zu besitzen, sondern vorübergehend Dinge oder Services zu benutzen, zu bewohnen und zu bewirtschaften.  Die Leitmotive sind hier somit „Nutzen statt Besitzen“ und „Teilen statt Haben“.

Im Zusammenspiel mit der Digitalisierung sowie der zunehmenden Smartphonenutzung  sind zahlreiche neue Produkte und Dienstleistungen im Bereich der Sharing Economy entstanden. Auch im Bankensektor sind hierzu bereits erste Finanzportale oder Apps entwickelt worden wie beispielsweise Crowdfunding Plattformen. Hierüber wird Geld digital geteilt bzw. gesammelt zwischen Privatpersonen für gemeinnützige Projekte oder neue Geschäftsideen.

Andere Segmente wie Mobilität, Reisen und Mode bieten noch mehr Produkte an, die den zunehmenden Wunsch zu teilen anstatt zu besitzen erfüllen. Einige daraus entstandene Unternehmen und Dienstleistungen sind Airbnb, Uber, Call a Bike, smava und Kleiderkreisel, um nur einige zu nennen. Bei den Marktsegmenten Mobilität und Reisen sind bereits die größten Veränderungen durch Sharing Economy zu beobachten, eventuell auch in Ihrem Leben: Immer mehr Menschen ist es somit wichtiger beispielsweise Autos, Wohnungen oder Kleidung nicht langfristig zu erwerben und somit zu besitzen, sondern diese bei Bedarf zu nutzen, zu teilen, zu leihen. Carsharing oder Bike-Stationen gehören weltweit zu einem modernen Stadtbild und gehören womöglich auch schon in Ihren eigenen Alltag.

Dass man bei der Sharing Economy von einem Megatrend von globaler Bedeutung sprechen kann, zeigt die rasante Entwicklung eines im Jahr 2008 gegründeten Unternehmens, welches auch dem Sharing-Trend zuzuordnen ist: die Online-Plattform Airbnb. Über den digitalen Marktplatz kann man für bestimmte Zeiträume Wohnungen, Häuser oder einzelne Zimmer in privaten Wohnungen oder Häusern buchen und sich getreu des Airbnb-Slogans „weltweit Zuhause fühlen“. Airbnb´s  Marktwert wird aktuell auf etwa 27 Milliarden Euro geschätzt (Stand 2016), dabei besitzt Airbnb keine eigenen Hotels bzw. Immobilien. Zum Vergleich: die traditionsreiche Hotelkette Hilton hat aktuell einen Marktwert von etwa 21 Milliarden Euro und wurde somit von Airbnb überholt. Zugleich werfen Geschäftsmodelle wie das von Airbnb teils neue Fragen auf – beispielsweise juristische Fragen nach der Haftung bei Schäden – die zu beantworten sind, damit Sharing-Modelle dauerhaft erfolgreich sein können.

Auch die DZ BANK beschäftigt sich bei der Weiterentwicklung ihres Bankgeschäfts mit der Sharing Economy. In Form von ersten Markt- und Potenzialanalysen für die Bankenbranche, aber auch durch Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen und Austausch mit möglichen Kooperationspartnern.

Eine spannende Veranstaltung fand zum Thema „Future Mobility“ statt, an der ich im Oktober 2016 teilgenommen habe. Das zweitägige Event in Hamburg hat gezeigt, dass Sharing Economy als Megatrend in anderen Branchen wie Verkehrsverbänden, Automobilherstellern und Technologieunternehmen bereits aktiv in Produkte- und Services umgesetzt wird. Namhafte Unternehmen wie die Deutsche Bahn, Siemens aber auch Startups wie Quixxit, moovel und nextbike stellten Ihre Mobilitätskonzepte vor. Es wurden nicht nur beeindruckende Visionen der zukünftigen Mobilität vorgestellt, sondern auch aktuelle und bereits umgesetzte Projekte, die sehr gut vom Markt angenommen werden.

Eine weitere Aktivität der DZ BANK in Richtung Sharing Economy ist der Austausch mit dem House of Logistics and Mobility (HOLM) in Frankfurt am Main zu innovativen Mobilitätskonzepten. Die digitale Mobilität, als eine Facette der Sharing Economy, wird innerhalb der Genossenschaftlichen FinanzGruppe zunehmend thematisiert. Mitarbeitern der DZ BANK und der Volksbanken Raiffeisenbanken steht hierzu ein Beitrag in der C+Pspektrum  zur Verfügung (Ausgabe 18, November 2016).

Sowohl unsere bisherige Teilnahme an verschiedenen Events als auch der Austausch mit möglichen Kooperationspartnern verdeutlichen, dass sich die Sharing Economy und zugehörige Handlungsfelder in der Bankenbranche noch nicht in der Breite etabliert haben. Dabei ergeben sich für Banken ebenfalls interessante Potenziale aus der Sharing Economy, auch abseits des klassischen Banking-Geschäfts. Insbesondere für Genossenschaftsbanken liegt das Prinzip zu Teilen nahe. Immerhin erinnert uns die Sharing Economy an genossenschaftliche Werte wie „Gemeinsam schaffen wir mehr“ und „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele“.

Umso erfreulicher ist, dass beim 2. GENOHackathon der DZ BANK Gruppe im Dezember 2016 eine Idee entstanden ist, welche die Sharing Economy und somit auch genossenschaftliche Werte aufgreift: die Sharing-Plattform „GWYN“.

Die Potenziale der Sharing Economy für Banken und erste Produktideen werden wir in 2017 weiter validieren – über die Ergebnisse halten wir Sie hier auf dem Laufenden.

Was ist Ihre Meinung zur Sharing Economy? Teilen Sie mehr als früher? Sehen Sie auch Ideen für Banken rund um die Sharing Economy? Oder hat sich ihr Nutzungsverhalten eher in anderen Bereichen, wie Mobilität und Reisen, verändert?

Welche Produkte oder Dienstleistungen möchten Sie eben nicht mehr selber erwerben und besitzen, sondern diese lieber teilen, leihen und nur bei Bedarf nutzen?

Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzungen!

2. Januar 2017, 7:00 Uhr

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