Reisebank mit Ripple: In acht Sekunden über den Atlantik

Autor: Gastautor

Autor: Frank Boberach, Leiter des Produktmanagements der ReiseBank

Das Fintech-Thema Blockchain wird vielerorts diskutiert und gerne auch in den Innovationshochburgen wie Silicon Valley verortet. Doch erstmals in die Tat umgesetzt wurde es jetzt zwischen Kanada und Deutschland.

Genauer gesagt zwischen der ATB Financial in Calgary und der ReiseBank mit der Zentrale in Frankfurt-Rödelheim. Und darauf sind wir mächtig stolz.

Wir sind seit mehr als zwanzig Jahren ein Experte für die Themen cross-border-payments und cross-currency-payments. Inzwischen sind wir Marktführer im Geschäft mit Reisezahlungsmitteln und einer der größten Western Union-Agenten. Deshalb sind wir auch in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe der Servicepartner für das Thema Reisezahlungsmittel für mehr als 1.000 Banken. Das hat uns aus der Sicht der DZ Bank dafür prädestiniert, das Thema Ripple Blockchain zu evaluieren. Gemeinsam mit Accenture haben wir in knapp zehn Wochen Projektvorbereitung die technischen Voraussetzungen gestemmt.

Mitte Juni war es dann soweit. Während der Zahlungsverkehrskonferenz „Payments Panorama 2016“ in Kanada haben wir live einen Bargeld-zu-Konto und Konto-zu-Bargeld-Blockchain-Transfer vorgenommen. Beim Test wechselten 667 Euro beziehungsweise 1.000 kanadische Dollar innerhalb von nur acht Sekunden den Besitzer und das zwischen Calgary in Kanada und Frankfurt-Rödelheim. Mit dem existierenden SWIFT-System hätte die Überweisung mehrere Tage benötigt. Bislang galt nur theoretisch: Die Zahlung via Ripple-Blockchain-Technologie kann den internationalen Zahlungsverkehr deutlich beschleunigen. Der Zeitrahmen für internationale Zahlungen könnte von drei bis vier Tagen auf 5 bis 10 Sekunden schrumpfen. Mit der Demonstration haben wir den Beweis in Echtzeit geliefert, dass es tatsächlich möglich ist. Die Kursfeststellung für den Währungstausch von CAD in EUR erfolgte dabei systemintern nach dem Best-Price-Prinzip.

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Fortfahren

Damit haben wir aufgezeigt, dass die von Ripple bereitgestellte Blockchain-Technologie grundsätzlich von Banken im Rahmen des Auslandszahlungsverkehrs genutzt werden kann und darüber hinaus in der Praxis auch tatsächlich funktioniert. Jetzt geht es für uns darum auszuloten, in welcher Weise wir die Blockchain-Technologie perspektivisch nutzen können, um die Prozesse im internationalen Zahlungsverkehr für unsere Partnerbanken und deren Kunden zu beschleunigen und zu verschlanken. Dabei könnte die ReiseBank beispielsweise als Servicedienstleister und Schnittstelle im internationalen Zahlungsverkehr mit anderen im Ripple-Netzwerk angeschlossenen Banken agieren.

Entscheidend bleibt allerdings, wie viele internationale Banken sich dem Ripple-Netzwerk anschließen. Nur dann macht ein solcher Service auch Sinn. Wir sind allerdings zuversichtlich, dass die Vorteile der Ripple-Technologie auch von anderen Instituten erkannt und genutzt werden.

Technischer Hintergrund

Die Ripple-Lösung basiert auf einem Netzwerk von vertrauenswürdigen Teilnehmern, den Banken, und dem sogenannten „Distributed Ledger“. Ein Distributed Ledger (wörtlich „verteiltes Kontobuch“) ist ein öffentliches, dezentral geführtes Kontobuch und dient dazu, im digitalen Zahlungsverkehr Transaktionen von Nutzer zu Nutzer aufzuzeichnen, ohne dass es – im Gegensatz zu traditionellen Payment-Netzwerken – einer zentralen Stelle bedarf, die jede einzelne Transaktion legitimiert.

Durch die Möglichkeit, eine Transaktion ohne (zentrale) Legitimationsstelle direkt zwischen zwei Banken durchführen zu können, kann die Abwicklung von Zahlungen – im Vergleich zu heutigen Systemen – deutlich beschleunigt werden.

Darüber hinaus beinhaltet die Ripple-Lösung einen kryptografisch sicheren End-to-End-Informations- und Zahlungsstrom und stellt durch die Distributed-Ledger-Technologie eine Unveränderlichkeit der Zahlungsvorgänge auf dem Kontobuch sowie eine Informationsredundanz sicher.

Ripple bietet eine Real-Time-Cross-Currency-Lösung, die flexibel genug ist, die steigenden Risiko-, Compliance- und Datenschutzanforderungen von Banken im internationalen Zahlungsverkehr zu erfüllen und gleichzeitig die Laufzeit von Transaktionen signifikant verkürzt.

Illustrationen

Das klassische Modell für internationale Zahlungen

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Die Ripple-Lösung im Überblick

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Weiterführende Links zum Thema:

https://ripple.com/collateral/ (Abrufdatum: 13.09.2016)

https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2016/fa_bj_1602_blockchain.html (Abrufdatum: 13.09.2016)

19. September 2016, 8:03 Uhr
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Interessant. Die Banken an der Vorfront der neuen Technologie. Eine Frage: Kann ich Ripple auch privat fuer Euro/pound oder Dollar- Ueberweisungen nutzen?

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