Von der Produktschmiede zum strategischen Think Tank: Fünf Jahre Innovation LAB

Autor: Friederike Seliger
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Am 1. September 2016 ist die DZ BANK Gruppe mit ihrem Innovation LAB an den Start gegangen. Im Vergleich zu den Wettbewerbern war das früh, die Finanzbranche hat damals gerade erst angefangen, Innovationsthemen zu bündeln und zentral zu steuern. Viele in dieser Zeit entstandenen Bank-Labs haben sich inzwischen in Luft aufgelöst. Unser Innovation LAB hingegen hat sich über die Jahre zu einer zentralen Plattform für strategische Themen entwickelt. Es leistet zudem einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für neue Themen und zur digitalen Befähigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Erfolg der bereichsübergreifenden Innovationsplattform mag auch im Format begründet sein: „Eine Besonderheit unseres Innovation LAB ist, dass die Themen und zu lösenden Fragestellungen aus den Fachbereichen und Gruppenunternehmen selbst kommen. Das ist nicht unbedingt üblich: In anderen Labs werfen die Fachbereiche ihre Probleme über den Zaun, lassen sie im Lab bearbeiten und erhalten fertige Lösungen zurück. Unser Vorgehen hingegen garantiert eine hohe Relevanz der Themen mit großer Akzeptanz im Fachbereich, beschleunigt die Weiterentwicklung nach dem LAB und motiviert die Teilnehmer“, sagt Franz Welter, der als Abteilungsleiter Innovation und Digitalisierung das LAB initiiert hat.

Dass die Umsetzungsquote der ins LAB eingebrachten Themen so hoch ist, macht Franz Welter und sein Team stolz: „Derzeit werden 70 Prozent der bearbeiteten Themen in Folgeprojekten fertiggestellt. Das ist im Vergleich zu vielen anderen Labs ein sehr hoher Anteil. Einige Anwendungen sind mittlerweile ein wichtiger Teil der Anwendungslandschaft der Primärinstitute.“ Ein Beispiel ist etwa der VR GeschäftsNavigator – ein Tool zur Unterstützung der Firmenkundenbetreuer entlang des gesamten Vertriebsprozesses.

Gestartet ist das Innovation LAB als reine Prototyping-Plattform, was bedeutet, dass hier anfangs ausschließlich Produkte und Services für das Bankgeschäft entwickelt wurden. Dieser Fokus hat sich inzwischen völlig verändert. „Fünf unterschiedliche Formate – vom Trend LAB bis zum Process LAB – stellen sicher, dass wir uns neben Produkt- und Prozessinnovationen mit den großen strategischen Themen der Gegenwart und Zukunft beschäftigen. So wurden Überlegungen zum digitalen Euro oder Pay-per-Use-Anwendungen in unserer Innovationsschmiede angestoßen. Nach der LAB-Phase haben die Kolleginnen und Kollegen an den Themen weitergearbeitet und sind jetzt  mit den Themen ganz konkret unterwegs“, so Franz Welter.

2018 ist das LAB aus den Räumen der DZ BANK Ins TechQuartier umgezogen. Dirk Elsner aus dem Innovationsteam hat kürzlich in einem Video-Interview erläutert, warum dieser Schritt notwendig war und wie sich das LAB dadurch verändert hat. Insgesamt haben inzwischen rund 500 Kolleginnen und Kollegen im LAB gearbeitet, manche waren sogar mehr als einmal dort. Welche Erfahrungen sie gemacht haben, schildern uns Imke Hahn und Frederik König:

Imke Hahn, Transaction Management:

„Ich war im allerersten Lab-Durchlauf dabei. Mit einem Team aus fachlichen Experten, Entwicklern und UI/UX-Designern an einem Tisch zu sitzen, in kürzester Zeit greifbare Ergebnisse zu erarbeiten und agile Arbeitsweisen kennenzulernen, war eine tolle Erfahrung, von der ich noch heute profitiere. Damals haben wir den VR Butler entwickelt, ein Tool für die Finanzbuchhaltung kleiner Unternehmen und Selbstständiger. Die Lösung ist heute bei der VR Smart Finanz im Einsatz. Über die Jahre war ich noch mehrfach im Lab und durfte auch die neueren Formate ausprobieren, zuletzt mit dem Thema Request-to-pay. Zusammen mit der R+V, Union, TeamBank und der Fiducia haben wir im TrendLab neue Geschäftsmodelle auf Basis von Request-to-Pay identifiziert. Die bereichs- und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit hat geholfen, um einen 360-Grad-Blick und Impulse für konkrete Anwendungsfälle zu erhalten. Daraus ist wiederum ein Thema für das Prototyping Lab entstanden, an dem wir gemeinsam mit unserem Kunden, der Rewe-Group, gearbeitet haben. Von den Kunden haben wir übrigens ganz tolles Feedback bekommen, wie aktiv und aufgeschlossen die Bank hier agiert. Genau das ist es auch, was ich am Lab so schätze: Es ist eine super Plattform, um mit Partnern in unterschiedlichen Konstellationen Themen voranzubringen, die echte Problemstellungen adressieren und Kundennutzen in den Vordergrund stellen. Einmal komplett raus aus dem Tagesgeschäft zu sein, neue Methoden kennenzulernen und in einer anderen Teamkonstellation zu arbeiten, ist eine wertvolle Erfahrung, die ich jedem gern empfehle. “

Frederik König, Payments & Accounts:

„Als ich 2016 mit dem VR GeschäftsNavigator ins Lab gegangen bin, war das eine ganz neue Welt – auch kulturell. Gerade, was die Softwareentwicklung angeht, gab es vor fünf Jahren in der Bank noch etliche Hürden und starre Strukturen. Das Lab war die Alternative, wenn man eben kein großes Projekt aufsetzen, sondern erstmal sehen wollte, ob eine Idee trägt. Auf einmal saßen wir Firmenkundenleute mit Programmierern an einem Tisch. Statt lange Fachkonzepte hin- und herzuschicken, hat man sich eben schnell was zugerufen und Dinge einfach ausprobiert, so nach dem Motto ‚fail fast‘. Das hat sich auch in den Feedbackschleifen mit unseren Kunden, in dem Fall den Genossenschaftsbanken, bewährt. Da haben wir schon das eine oder andere Mal festgestellt, dass nicht alles, was wir toll finden, auch wirklich hilfreich ist. Zack, verworfen und weiter. Meine guten Erfahrungen habe ich auch in meinen jetzigen Bereich PA mitgenommen und mit GPdirekt ein weiteres Thema ins Lab gebracht, diesmal als Sponsor. Das Lab bietet einfach den Raum, auf der grünen Wiese neu zu denken.“

1. September 2021, 12:31 Uhr

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