Blockchain und Initial Coin Offerings – Finanzierung von Projektentwicklungen

Autor: Gastautor
Viele Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain

Gastbeitrag von Tim Wilke*

Das Thema Blockchain hat in den vergangenen Monaten und Jahren eine zunehmende Präsenz in den Medien erhalten. Viele Unternehmen haben das Ziel ausgegeben die Möglichkeiten der neuen Technologie zu erforschen und ggf. in eigene Prozesse zu implementieren. Auch die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben eine Blockchain-Strategie auszugeben und diese bis zum Sommer 2019 zu veröffentlichen, woran ersichtlich wird, welche steigende Bedeutung der Technologie mittlerweile zu kommt.

Die bisher bekannteste Ausprägung der Blockchain Technologie ist der Bitcoin und das damit verbundene Schürfen neuer Einheiten der Kryptowährung. Daneben hat sich jedoch ein auf der Blockchain abgebildeter Prozess entwickelt und zunehmend an Bedeutung gewonnen, sogenannte Token Offerings, wie zum Beispiel der Initial Coin Offering.

Der Begriff Initial Coin Offering (kurz: ICO) ist dabei angelehnt an einen Initial Public Offering (kurz: IPO). Ähnlich wie bei einem IPO Aktien ausgegeben werden, werden bei einem ICO Token ausgegeben, die diverse Rechte oder Ansprüche, wie beispielsweise Nutzungsrechte,  verbriefen können.

Noch näher an einen IPO kommen jedoch die sogenannten Security Token Offerings (kurz: STO). Bei einem STO werden Security Token ausgegeben, welche im wesentlichen Eigentumsrechte verbriefen und damit eine neue Art Wertpapier darstellen. So können Security Token beispielsweise das Eigentum an einem Unternehmen oder eines Finanzproduktes wie einer Anleihe verbriefen. Somit generieren Token Offerings ganz neue Möglichkeiten der Finanzierung über das Internet und der Nutzung digitaler Ressourcen.

Als praktisches Beispiel zur Veranschaulichung soll dabei die Projektfinanzierung dienen. Grundsätzlich sind Projektfinanzierungen großvolumige Projekte, die einen hohen Anteil an Fremdkapital benötigen und sich im wesentlichen aus den Erträgen, die das fertiggestellte Projekt erwirtschaftet, tragen muss (=Cash Flow Related Lending). Sie werden vor allem bei Infrastrukturvorhaben (z.B. Energiekraftwerke) angewendet, die grundlegende Struktur allerdings auch häufig in der gewerblichen Immobilienfinanzierung und Immobilienprojektentwicklung. Das Projekt wird dabei in einer Zweckgesellschaft – auch Special Purpose Vehicle (kurz: SPV) – gebündelt. Bei dieser Gesellschaft liegt das Eigentum an dem Projekt und sie geht jegliche Verträge rund um das Projekt ein.

Kombiniert man nun diese Struktur mit einem STO, eröffnet sich die Möglichkeit, eine Projektentwicklung über die Blockchain zu finanzieren. Die Zweckgesellschaft kann dabei zum Beispiel eine Anleihe platzieren, doch im Gegensatz zu einer klassischen Anleihe wird das Kapital über die Ausgabe von Security Token – quasi eine Art „Anleihen-Token“ – von einer breiten Masse von Anlegern eingeworben. Diese Token verbriefen dann die Rechte und Ansprüche die mit der Kapitalleihe verbunden sind, wie zum Beispiel laufende Zins- oder Tilgungsleistungen.

Ein weiteres Szenario wäre auch eine Verbriefung des Eigentums an der Zweckgesellschaft und damit an dem zu realisierenden Projekte über Abbildung auf den ausgegebenen Token. Dadurch ist es möglich auch eine Art Eigenkapitalfinanzierung zu gestalten ähnlich wie bei einer Aktiengesellschaft.

Die Ausgabe von Token bietet dabei verschiedene Vorteile. Zunächst kann das Kapital von einer weitaus größeren Masse eingesammelt werden, als es bei einer klassischen Projektfinanzierung der Fall wäre. Dies erinnert an eine Crowdfinanzierung, welche in den vergangenen Jahren ebenfalls an Bedeutung zugenommen haben und vergleichsweise stark im Volumen gewachsen sind. ICOs oder STOs werden jedoch auf der Blockchain und damit dezentral auf verschiedenen Servern abgebildet.

Sehr interessant sind diese Token Offerings zudem für Klein- und Privatanlegern. Bislang ist es für sie gar nicht oder nur begrenzt möglich – aufgrund ihres hohen Bedarfs an Kapital – überhaupt in solche Projekte zu investieren. Bei Immobilien können sie zwar noch selber in Objekte investieren und sie erwerben, was jedoch einen hohen Kapitalbedarf mit sich bringt und dadurch nur begrenzt eine Diversifikation zulässt. Dies kann lediglich mit verschiedenen Crowdinvestments erreicht werden. Lässt es sich bei Immobilienprojekten noch vergleichsweise einfach realisieren, so ist es bei Infrastrukturvorhaben bislang jedoch unmöglich als Privatinvestor an einer Finanzierung zu partizipieren. Dieser Nachteil klassischer Projektfinanzierungen könnte durch ein Token Offering behoben werden, da dort quasi jegliches Investitionsvolumen pro Anleger möglich ist.

Weiterer bedeutender Vorteil einer solchen Finanzierungsstruktur ist die leichte Handelbarkeit, die die ausgegebenen Token mit sich bringen. Über verschiedene Börsen können die Token – wie bereits Bitcoins – leicht und zu jeder Zeit gehandelt werden. Dabei würde es keine Rolle spielen, welches Projekt mit einem Token verbunden ist, sodass bspw. Token aus einer Immobilienprojektentwicklung neben Token für ein Windrad-Projekt gehalten oder gegeneinander ausgetauscht werden könnten. Dadurch ergeben sich vielfältige neue Möglichkeiten – gerade als Kleinanleger – ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen und neue Ertragschancen zu nutzen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Token Offerings – im wesentlichen Security Token – eine interessante neue Form der Finanzierung und Projektunterstützung darstellen. Von einer kurzfristigen Umsetzung in der Praxis ist jedoch nicht auszugehen. Rechtliche Rahmenbedingungen und Know-How in der genauen Gestaltung sind dafür bislang noch nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Dennoch wird das Thema Token Offerings in den kommenden Monaten oder Jahren an Bedeutung gewinnen und die notwendigen Entwicklungsschritte nehmen.

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* Tim Wilke: Im Rahmen seiner Bachelorthesis hat sich Tim Wilke mit dem Thema Blockchain und der Projektfinanzierung – konkreter der Immobilien-Projektfinanzierung – über Token Offerings beschäftigt. Ausbildung und berufsbegleitendes Bachelorstudium hat er in der DZ BANK absolviert und anschließend ein Traineeprogramm bei der DZ HYP im Geschäftsfeld der gewerblichen Immobilienfinanzierung begonnen.

11. Juni 2019, 10:56 Uhr

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