Identitätsservices: Universal-Schlüssel fürs Internet

Autor: Friederike Seliger
Universalschluessel

Netflix, Zalando, Onlinebanking, soziale Netzwerke: Können Sie sich noch alle Passwörter merken, die Sie im Alltag brauchen? Wäre es nicht praktisch, sich mit einer einzigen Kombination aus Benutzername und Passwort an nur einer Stelle einzuloggen und alle Kanäle und Dienste stehen zur Verfügung?

Das soll bald Realität werden. Bereits heute ersparen sogenannte Social Log-ins den Nutzern, sich mehrfach umständlich zu registrieren. Mit seinem Nutzerkonto bei Google oder Facebook kann man beispielsweise Videos auf youtube kommentieren und bei Ebay mitbieten.

Doch Social-Log-ins haben Grenzen, schließlich sind die dort hinterlegten Daten nicht verifiziert. Wer einen Handyvertrag abschließen oder einen Carsharing-Dienst nutzen will, muss sich mit einem offiziellen Dokument wie dem Personalausweis identifizieren – so wie bei der Eröffnung eines Kontos. Hier kommen Banken ins Spiel, sie verfügen über verifizierte Kundendaten und darin liegt großes Potenzial – auch für die Kunden. Denn sobald sich ein Kunde über seine Bank identifiziert, kann er zum Beispiel auch Verträge zeichnen oder Bonitäten bestätigen. Es ist demnach folgerichtig, dass Banken dieses Feld besetzen, schließlich können sie eine „echte“ digitale Identität bieten und somit weit über die Möglichkeiten von Social Log-ins hinausgehen.

Erste Angebote sind bereits seit kurzem am Markt: verimi ist eine Identitätsplattform, die unter anderem mit der Deutschen Bank, Allianz, Telekom und Lufthansa kooperiert und sowohl das Log-in vereinfacht als auch dem Verbraucher transparent macht, wo er welche Daten hinterlegt hat. Und Ende des Jahres wird der ID-Service-Dienst YES, der mit einigen großen Sparkassen kooperiert, an den Markt gehen.

Genossenschaftlicher Dienst CAS in der Testphase

Was tut sich in der genossenschaftlichen FinanzGruppe? Eine ganze Menge! Seit August wird unter dem Namen CAS – das steht für Central Authentification Service – ein Single Sign-on für die genossenschaftliche FinanzGruppe getestet. Mit CAS sollen Kunden der Volksbanken Raiffeisenbanken nach einmaliger Anmeldung im Online-Banking beispielsweise auch ihre Versicherung bei der R+V verwalten oder einen Bausparvertrag bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall abschließen können. Die Testphase beginnt mit den Kunden der Bausparkasse – eine gute Möglichkeit, erst mal zu sehen, wie der neue Service ankommt. Wenn alles funktioniert, können sich die anderen Unternehmen der DZ BANK Gruppe aufschalten. Kunden stehen voraussichtlich im Laufe des kommenden Jahres weitere Angebote aus der Gruppe zur Verfügung.

Vertrag mit YES unterzeichnet

Kooperationen sind ebenfalls ein Thema im Fachteam „Digitale Identität“, dem Kollegen von Volksbanken Raiffeisenbanken, Fiducia GAD, DZ BANK, BVR und den Gruppenunternehmen angehören. Die  Genossenschaftliche FinanzGruppe hat sich entschieden, mit YES zusammen zu arbeiten. Der Vertrag wurde in der letzten Woche unterschrieben. Weitere Kooperationen werden geprüft.

Extra-Tools für Transparenz und Datensicherheit

Ein besonderer Service von CAS wird ein Steuerungscockpit sein, das der Kunde im Online-Banking nutzen kann. Es zeigt an, wenn sogenannte Drittanbieter auf sein Konto zugreifen. Damit sind zum einen Kontoinformationsdienste wie das Fintech Moneymeets gemeint, das Finanzprodukte seiner Kunden an einem Ort verwaltet. Kunden können ihre Konten, Depots und Versicherungen so zentral managen. Auch Zahlungsauslösedienste wie paypal gehören zu diesen Drittanbietern. Anders als bisher muss sich jeder Drittanbieter aufgrund der neuen Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 bei der Bundesfinanzaufsicht BaFin zertifizieren und sein Zertifikat bei jedem Kontozugriff vorweisen. Das sorgt für mehr Transparenz: Nehmen wir zum Beispiel die Zahlungsfunktion „Sofortüberweisung“. Hier übermittelt der Kunde beim Bezahlen im Internet die Online-PIN seines Bankkontos an die Sofort GmbH. Die kontoführende Bank konnte bisher bei einer Transaktion nicht sehen, wer zugreift – der Kunde oder die Sofort GmbH. PSD2 sorgt also für mehr Transparenz und ermöglicht es der Bank, dem Kunden mit dem Cockpit einen zusätzlichen Service anzubieten.

Über eine weitere Funktion können Kunden steuern, welche Daten an welche Unternehmen weitergegeben werden dürfen. Beide Funktionen haben echten Mehrwert. Der Service erhöht die Sicherheit und damit das Kundenvertrauen in Online-Bezahlverfahren.

18. Dezember 2018, 10:33 Uhr

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