Wie würden Apple, NASA oder Tesla eine Bank gestalten? Über den Cross Innovation Jam der DZ BANK

Autor: Michelle Berger
20181017_161711_resizedFoto: Michelle Berger

Gemeinsamer Beitrag von Bastian Stahl* und Michelle Berger

Müssen wir als Finanzdienstleister das Rad vollkommen neu erfinden? Was können wir aus anderen Branchen lernen? Um diese Fragestellungen ging es vergangene Woche auf der ersten Cross Innovation Jam der DZ BANK, veranstaltet und durchgeführt vom  Trendscouting Team.

Bei dieser schnellen Kreativitäsmethode geht es darum, unter Zeitdruck Trends und Erfolgsrezepte aus anderen Branchen, wie beispielsweise Mobilität, Wohnen, Tourismus oder sogar der Energiebranche auf das eigene Geschäftsmodell zu übertragen. Denn die Vergangenheit hat gezeigt: Innovationsgetriebenes Unternehmertum bedeutet nicht nur die Entwicklung vollkommen neuer Konzepte und Lösungsansätze, sondern vielmehr den Transfer von Konzepten und Strategien anderer Branchen auf die eigene Marktdomäne. Schließlich entstehen so etwa 80% aller Innovationen. Denken Sie nur kurz an das aus der Konsolenwelt entliehene Bedienkonzept des BMW iDrive oder an ein Sushiband, welches doch sehr an die Gepäckausgabe am Flughafen erinnert. Diese Innovationen zeigen, dass das Konzept selbst nicht innovativ oder gar radikal sein muss. Die Umsetzung im Kontext der eigenen Branche macht die Idee zum Novum. Und selbst wenn die Auseinandersetzung mit anderen Branchen nicht ad hoc zu radikalen und umfänglichen Innovationen führt, lassen sich Veränderungen im Konsumentenverhalten oftmals an anderer Stelle bebeobachten, obwohl die eigene Branche noch unberührt erscheint.

Wie funktioniert die Methode?

Zum Einstieg nutzt man Brainstormings, um sich der fremden Branche möglichst intuitiv und frei zu nähern. Der Fokus liegt dabei zunächst auf freien Assoziationen, die mit einer Branche verbunden werden. Im Kontext der Wohnungsbranche fielen hier vergangene Woche Begriffe wie „wohlfühlen“, „Zuhause“, „WG“ oder „Entspannung“. In einem zweiten Schritt wird dieses Brainstorming mit Fokus auf Marken und Unternehmen der fremden Branche durchgeführt. Beispiele hierzu waren „IKEA“, airbnb“ oder auch Produkte wie der „Fatboy“ genannt werden. Dieses Vorgehen wurde anschließend analog zur Finanzbranche durchgeführt.

Im darauffolgenden Schritt wurden diese Assoziationen und Ideen branchenübergreifend verknüpft (engl. to cross = kreuzen), um neue Ideen und Impulse zu entwickeln. Teilnehmer wurden durch das Moderatoren-Trendscouting-Team mit Fragen wie beispielsweise „Wie würde der IKEA-Gründer eine Bank aufbauen?“, „Wie würde ein All-Inclusive-Konto aussehen?“ oder „Wie können Finanzprodukte so schnell verfügbar sein, wie Strom aus der Steckdose?“ stimuliert.

Anschließend wird ein sog. Megatrend als Inspirationsquelle hinzugezogen. Megatrends stellen eine Veränderung im Konsumentenverhalten dar, welche branchenübergreifend wirkt und sich somit auf vielfältige Lebensbereiche auswirkt. Ein Beispiel hierfür könnte der anhaltende Trend der Neo-Ökologie darstellen, welcher für nachhaltiges Verhalten der Konsumenten steht. Der hinzugezogene Megatrend bietet weitere Impulse, um die aus der Branchenkreuzung erzeugten Ideen weiterzuentwickeln oder diese auf eine spezielle Zielgruppe anzupassen.

Abschließend wurden besonders vielversprechende Ideen vom Teilnehmerkreis ausgewählt, mit Hilfe einiger Leitfragen weiterentwickelt und für einen kurzen Pitch vorbereitet. Inspiriert von dem „future press release“ von Amazon stellten wir die Teilnehmer vor Fragestellungen wie „Es ist 2020, Ihre Idee steht auf der Titelseite der FAZ – warum?“, um eine greifbare Vision der Idee zu erzeugen.

Der erste Cross Innovation Jam der DZ BANK brachte dabei innerhalb von nur gut 60 Minuten vielfältige und kreative Ideen hervor, die von einer Kredit-WG über GENOinvest bis hin zum Uber-Banking reichten und somit das kreative Potenzial dieser Methode verdeutlichen.
Bei der Kredit-WG wird ein Kredit auf den finanzierten Gegenstand anstelle einer Person bezogen, sodass dieser nicht abgelöst werden muss, wenn der Besitzer wechselt.
Beim GENOinvest handelt es sich um einen nachhaltigen Fond, der regionale Anbieter und Unternehmen fördern soll. Der genossenschaftliche Finanzgedanke wird wieder in den Fokus gerückt.
UBER-banking ermöglicht eine mobile, persönliche und ortsunabhängige Beratung, bei welcher ein Beratungstermin individuell und beim Kunden vor Ort stattfinden kann.
Die „Anti-Frust Versicherung“ verkehrt unangenehme Alltagssituationen in einen Mehrwert für Kunden: Die Police versichert Ausfälle von Verkehrsmitteln und Services in Streikfällen und ist somit besonders für Pendler und Vielreisende interessant.

„Man muss sich für nichts rechtfertigen und jede irreale Idee auch in dem Raum werfen, die dann sogar gemeinsam weiterentwickelt wird“

Das Trendscouting Team freut sich über das positive Feedback zu der neuen Kreativitätsmethodik, die einen Beitrag zum Kulturwandel in der DZ BANK tragen soll und freut sich auf weitere Veranstaltungen dieser Art.

 

* Bastian Stahl ist Teil des Trendscouting Teams und „Trainee 4.0“ in der Investitionsförderung der DZ BANK.

31. Oktober 2018, 10:26 Uhr

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2 Kommentare

Ich finde diesen Cross Innovation Jam eine tolle Idee!
Stellenweise machen wir bereits in der täglichen Arbeit die Erfahrung, dass ein branchenfremder Blick sehr hilfreich und bereichernd sein kann.

Eine tolle und spannende Idee. Welchen Blick haben andere Branchen auf das Bankgeschäft?
Bankprodukte können auch anders gesehen werden. Welche neuen und vielleicht auch ungewöhnlichen
Produktverknüpfungen können sich ergeben?

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