London – zwischen Mobile Payment und Papierzeitungen

Autor: Michelle Berger
20180806_200237Foto: Michelle Berger

Während meines dreiwöchigen Aufenthalts an der LSE Summer School in London habe ich die Augen besonders nach neuen Trends und innovativen Zahl- und Konsumverhalten der Londoner offengehalten. Dabei sind mir ganz interessante Gegensätze aufgefallen.

NFC Zahlung ist das neue Bargeld

In London wird (fast) überall per NFC Zahlung gezahlt – mit Karte oder Handy. Kaum jemand zahlt mit Bargeld, geschweige denn trägt überhaupt welches mit sich. Ob in der U-Bahn, im Pub oder auf einem der bekannten Märkten – „card payment only“ liest man fast überall. Auch das Apple oder Google Pay Zeichen ist keine Seltenheit. Für die öffentlichen Verkehrsmittel wird also nicht mehr zwangsweise eine separate Oyster Card benötigt, sondern es genügt einfach das Handy oder die NFC Bankkarte auf den Cardreader zu legen, um durch die Personenschranke zum Bahngleis zu gehen. In den Supermärkten gibt es mehr Self-Checkout Kassen als normale Kassen mit traditionellen Kassierern. Allerdings gibt es, anders als in den meisten deutschen Self-Checkout Kassen, dort auch noch die Möglichkeit mit Bargeld zu zahlen. Andere Erfahrungen habe ich auf dem Borough Market gemacht. Meinen „British Pie“ mit „Mushy Peas“ konnte ich dort nur mit Karte oder Handy zahlen. Der nette Standinhaber zückte ein kleines Kartelesegerät, ich hielt mein Handy davor – das war’s, „enjoy your meal!“. Kein stundenlanges Suchen nach den richtigen Münzen im Geldbeutel, kein Wechselgeld, keine Bakterien – cool.

Im Pub per App bestellen

In Londoner Pubs gibt es keine Bedienung. Man geht zur Theke, gibt seine Essens- und Getränkebestellung auf, nennt seine Tischnummer, bekommt sein Getränk und wartet am Tisch, bis das Essen gebracht wird. „Na den Weg kann man sich sparen“, dachte sich wohl ein Mitarbeiter der Restaurant/Pub-Kette Wetherspoon. Dort gibt es eine App, die ich natürlich ausprobieren musste. Nachdem man diese installiert hat, konnte ich meine Tischnummer und meine Bestellung eingeben, direkt in der App zahlen und meine Bestellung wurde mir gebracht.

Die traditionellen Papierzeitungen lassen sich die Londoner nicht nehmen

Auch wenn ich sonst einen sehr innovativen Eindruck von London und seinen Einwohnern hatte, hat mich eins überrascht: Papierzeitungen überall! Jeden Morgen und jeden Abend werden an den U-Bahn Station „Daily News“ oder „Evening Standards“ kostenlos verteilt. Schaut man sich in der U-Bahn um, sitzen über die Hälfte der Menschen mit einer Zeitung in der Hand dort. Vielleicht liegt es daran, dass die Londoner U-Bahn weit tiefer unter der Erde liegt als in Deutschland und man dort keinen Handyempfang hat? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall kam mir das im Vergleich etwas „old school“ vor.

Aber genau das ist es doch, was London ausmacht. Eine Stadt voller Gegensätze. Zwischen Sonne und Regen, Alt und Neu, Salsa und Rock, Mobile Payment und Papierzeitungen.

17. September 2018, 10:57 Uhr

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