Smart Data, Mobiles Bezahlen, Mehrwerte: Wie Innovationen den Zahlungsverkehr voranbringen

Autor: Friederike Seliger

Wie bezahlen Sie am liebsten im Supermarkt? Bar, mit Karte oder nutzen Sie den Lieferservice und zahlen über Online-Bezahldienste wie Paypal oder paydirekt? Längst haben wir uns daran gewöhnt: Alles geht, sogar kontaktlos. Und schon bald werden Zahlungen in Echtzeit möglich sein. Die Vorteile für Kunden und Händler liegen auf der Hand – doch was bedeuten die Veränderungen für Banken?

Neue Technologien machen das Bezahlen leichter, schneller und effizienter. Das ist im Sinne der Kunden, die überall unkompliziert bezahlen wollen und hohe Transparenz und Sicherheit voraussetzen. Regulatorische Initiativen wie die neue EU-Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 oder die Einführung von Echtzeitzahlungen, auch Instant Payments genannt, verstärken diesen Wandel und ermöglichen es Finanzdienstleistern, Kunden völlig neue Angebote zu machen.

Den Wandel gestalten

Die Veränderungen betreffen Kunden und Banken gleichermaßen. Für die DZ BANK, die auf stabile Erträge aus dem Zahlungsverkehr zählen kann, ist es wichtig, diese Ertragsbasis zu sichern und auszubauen. Denn neben neuen Kundenbedürfnissen fordern uns auch starke Wettbewerber im FinTech-Umfeld und Technologie-Riesen wie Google, Apple und Amazon heraus, die in den Banksektor vordringen. PSD2 erlaubt ihnen Zugriff auf Kundenkonten – sofern der Kunde das wünscht. Selbst wenn das Geld auf dem Konto bleibt, können Drittanbieter per Schnittstelle Kontoinformationen auslesen oder Zahlungen ausführen.

Fest steht also, dass Banken ihr Alleinstellungsmerkmal, den exklusiven Zugang zum Kunden, abtreten müssen. Denn Internetriesen oder FinTechs sind durchaus in der Lage, Bankkunden innovative und bequeme Finanzlösungen anzubieten. Jedoch haben Kreditinstitute einen klaren Vertrauensvorsprung beim Datenschutz. Kunden sind zwar bereit, Daten gegen kostenlose oder bessere Services einzutauschen, zeigen gleichzeitig aber große Skepsis gegenüber Anbietern der „digital economy“. 72 Prozent der Befragten der „Datenschutzstudie 2018“ haben Vertrauen in Banken, bei jungen Bankkunden unter 30 sind es sogar noch mehr.

Folgerichtig werden Kunden Banken auch dann vertrauen, wenn es darum geht, ihnen individuelle Angebote und echten Mehrwert zu bieten – solange sie wissen, dass diese mit ihren Daten transparent und verantwortungsvoll umgehen. Diesen Wettbewerbsvorteil müssen Banken nutzen, wenn sie über neue Geschäftsmodelle nachdenken. Positiver Nebeneffekt des Vertrauens: Die DZ BANK ist in der Lage, mit neuen Services gleichzeitig Kunden an sich zu binden und die Ertragsbasis zu stärken.

Blick in die Werkstatt

Ein wichtiger Teil dieser Arbeit sind Instant Payments. Damit sind Zahlungen 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche und 24 Stunden am Tag möglich. Firmenkunden haben maximale Kontrolle und Transparenz – denn das Geld ist sofort da. Auch Privatkunden können, zum Beispiel beim Autokauf, ihre Zahlung direkt belegen und schon Minuten später mit dem neuen Wagen vom Hof fahren. Kunden werden sich aber noch etwas gedulden müssen, bis sie erste Echtzeitüberweisungen tätigen können. Denn die technische Umsetzung ist aufwendig. Banken müssen in Sekunden Zahlungen prüfen und freigeben. Dafür muss sichergestellt sein, dass keine Fehler passieren.

Für Privatkunden und Händler dürfte das kontaktlose Zahlen der eigentlich revolutionäre Schritt an der Ladenkasse sein. Dank eines Funkchips müssen Kunden ihre Karte beim Zahlen nicht mehr aus der Hand geben und bei Beträgen bis 25 Euro nicht mal mehr eine PIN eingeben. Der Zahlungsvorgang verkürzt sich also deutlich. Seit 2017 ist jede neue von der genossenschaftlichen FinanzGruppe ausgegebene Karte kontaktlos-fähig. Bis 2020 werden alle 27 Millionen genossenschaftlichen girocards mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet sein, die rund 4,3 Millionen Mastercard- und Visa-Karten folgen bis 2021. Parallel dazu wird seit Ende vergangenen Jahres mobiles Bezahlen mit digitalen Karten über Android-Smartphones getestet.

Vertrauen rechtfertigen, Mehrwert schaffen

Sicher und unkompliziert zahlen zu können, erwarten Kunden ohnehin. Was Banken künftig von bankfremden Wettbewerbern unterscheiden wird, ist das, was sie dem Kunden zusätzlich bieten können. Banken haben Zugriff auf einen riesigen Fundus an Kundendaten. Mit PSD2 erhalten Drittanbieter das Recht, darauf zuzugreifen, wenn der Kunde einwilligt. Das Kundenkonto wandelt sich – vom Geldverwahrer zum Informations- und Datenspeicher. Banken könnten künftig mit besonders datengeschützten Angeboten punkten. Immerhin ein Drittel der in der „Datenschutzstudie 2018“ befragten Personen ist bereit, für solche bislang kostenlosen Services eine monatliche Gebühr zu zahlen.

Daten sind die neue Währung. Das haben auch die Kollegen von Fiducia & GAD und DZ BANK im „Smart Data Lab“ verstanden. Sie überlegen, wie die Daten in der genossenschaftlichen FinanzGruppe am besten genutzt werden können. Dabei geht es um die Frage, inwieweit Banken ihre Kundenansprache verbessern oder ob Kunden durch Mehrwertleistungen motiviert werden können, Transaktionsdaten für Analysen zur Verfügung zu stellen.

Einen Ansatz dafür zeigt „VR-ExtraPlus“. Der Service will Händler und Kunden zusammenbringen – und zwar direkt am Konto. Wer das Angebot nutzt, wird bei Zahlungseingängen auf dem Girokonto benachrichtigt und kann das Geld nutzen, um einen Gutschein bei namhaften Händlern zu erwerben. Erhält der Kunde beispielsweise eine Rückerstattung von seinem Energieversorger über 100 Euro, kann er damit einen 120-Euro-Gutschein von Adidas, Zalando oder anderen Händlern beziehen. Davon hat nicht nur der Kunde etwas, sondern auch der Händler, bei dem der Kunde einkauft. Die Volksbank Raiffeisenbank kann über VR-ExtraPlus auch regionalen Händlern ermöglichen, ihre Gutscheine direkt neben großen Händlern anzubieten. Seit Jahresanfang haben rund 1.200 Kunden 800 Gutscheine im Gegenwert von 71.000 Euro erworben.

Ziel ist es, Mehrwert rund um Konto und Zahlung zu schaffen und sich enger mit der Wertschöpfungskette des Kunden zu verzahnen. Das heißt, dass noch stärker als heute Angebote vernetzt und Banken mit anderen Anbietern kooperieren werden. Neben klassischen Bankprodukten wird die DZ BANK dann auch Angebote von FinTechs oder Unternehmen der DZ BANK Gruppe im Portfolio haben. Folgerichtig wird sich der Zahlungsverkehr mit anderen Disziplinen – von der Versicherung bis zum Bausparvertrag – verzahnen. Am Ende soll der Kunde alles an einem für ihn vertrauten Ort intelligent verknüpft erhalten. Und dafür hat die Allfinanzgruppe alle nötigen Kompetenzen.

20. August 2018, 11:00 Uhr

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