Verändert die Blockchain-Technologie die Unternehmenswelt? (2) Das Potenzial der Blockchaintechnologie

Autor: Gastautor
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Gastbeitrag von Monica Fernandez*

Bei Blockchains handelt es sich vereinfacht gesagt um Datenbanken, die als dezentrales Protokoll für Transaktionen jede Veränderung transparent erfassen. Dabei funktioniert die Blockchain in der Regel ohne Eigentümer oder Verwalter, die Validierung von Daten erfolgt durch die Netzwerkteilnehmer und die Daten werden verschlüsselt. Die Verschlüsselung stellt auch sicher, dass jeder Netzwerkteilnehmer nur den Teil der in der Blockchain gespeicherten Daten bearbeiten und ändern kann, den er „besitzt“. Jedes Update benötigt einen Konsens zwischen allen Netzwerkteilnehmern. Das ermöglicht eine sichere und verifizierbare Aufzeichnung von Transaktionen. Denn diese Aufzeichnungen können nachträglich nicht mehr verändert und auch nicht gelöscht werden. Damit sind sie im Prinzip gegen Manipulationen geschützt. Der Zugang zur Blockchain kann dabei auf bestimmte Netzwerkteilnehmer beschränkt sein („Private Blockchains“) oder allen Interessierten offenstehen („Öffentliche oder Public Blockchain“). Ein Blockchain-Feature, das für Unternehmen besondere Kosteneinsparungen verspricht, ist der „Smart Contract“, der in der Blockchain programmierte Vertrag. Solch ein Vertrag sorgt selbst für seine Einhaltung. Sobald ein zuvor festgelegtes Ereignis eintritt, löst die Blockchain automatisch einen Vertrag aus. Man kann den Vertrag sogar noch um bestimmte „Trigger Events“ anreichern, bei deren Eintritt vordefinierte Anpassungen am Vertrag automatisch in Kraft treten.

Vorteile von Blockchain-Technologien
  • Dezentrale Struktur trägt zur Sicherheit bei. Daten werden an verschiedenen Stellen im System parallel gespeichert und verringern damit die Anfälligkeit des Systems, da im Falle einer zentralen Speicherung von Daten dieses „Datencenter“ alleine für das Funktionieren des Systems verantwortlich und damit auch anfällig für Angriffe von außen ist.
  • Durch den direkten Kontakt der Beteiligten können Intermediäre, die ansonsten über spezielle Prozesse und Systeme die Vertragsparteien miteinander verbinden und validieren, entfallen. Dies vereinfacht den Prozess, spart Zeit und kann Aufwendungen senken, da „Vermittlungsgebühren“ an Intermediäre entfallen.
  • Durch die Speicherung und Validierung von Daten in der Blockchain, wird die Verifizierung und Nachverfolgung von Informationen einfacher. Zudem senkt es die Fehleranfälligkeit, da die Abstimmung zwischen verschiedenen Systemen entfällt.
  • Ein Teil der Blockchain-Technologien sieht automatisierte Vertragsabwicklungen vor. Durch die Einbettung bestimmter Regeln in das Protokoll werden Verträge bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen automatisch ausgeführt, sogenannte Smart Contracts. Dies ermöglicht eine schnellere/effizientere Abwicklung von Verträgen.
Nachteile von Blockchain-Technologien
  • Es handelt sich um eine hochkomplexe Technologie, die noch in ihren Kinderschuhen steckt. Die Adaption bestehender Prozesse erfordert einen hohen Aufwand und eine weitverbreitete Anwendung und Akzeptanz durch andere Marktteilnehmer. Dies setzt aber voraus, dass sich Marktstandards für die Verwendung von Blockchains und die Entwicklung von Smart Contracts, herausbilden, die es bislang noch nicht gibt. Bislang gibt es solche ebenso wenig wie eine Regulierung.
  • Die Blockchain-Technologie muss in der Lage sein, eine hohe Anzahl an Transaktionen schnell, günstig und effizient verarbeiten zu können, soll sie bei Banken erfolgreich eingesetzt werden. Bislang ist dies bei einigen Technologien noch nicht der Fall. Sie sind nicht ausreichend skalierbar für eine große Anzahl an Transaktionen, erfordern enorme Rechnerkapazitäten und verursachen hohe Energiekosten.
  • Für alle Unternehmen aus regulierten Branchen (wie z.B. Banken, Versicherungen, Telekomunternehmen, Versorger), setzt der Einsatz von Blockchain-Technologien voraus, dass Prozesse, die auf Blockchain-Technologie beruhen, die entsprechenden gesetzlichen Vorgaben einhalten.
  • Datenschutz und Vertraulichkeit von Kundendaten muss bei dezentraler Verteilung von Daten sichergestellt sein. Die dezentrale Struktur bedeutet nämlich, dass es viele potenzielle Einfallstore für Angriffe gibt, die allesamt geschützt werden müssen. Dadurch, dass das System aus vielen verschiedenen Knoten besteht, könnten sich potenzielle Angreifer auf den „schwächsten“ Knoten konzentrieren. Je nach Art des Netzwerks steht dem zwar entgegen, dass Daten von mehreren Knoten validiert werden müssen und daher ein Angriff simultan auch auf diese erfolgen muss, soll die Blockchain verändert werden. Dennoch könnten Angreifer durch den Angriff auf einen Knoten darauf abzielen, Daten zwar nicht zu verändern, aber vertrauliche Informationen zu erlangen, um diese weiterzuverkaufen.

 


Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der Studie “Die Blockchain-Technologie verändert die Unternehmenswelt“ und der zweite Teil einer dreiteiligen Serie. Im ersten Teil wurde eine allgemeine Einführung zum Thema Blockchain gegeben. Im nächsten Teil der Reihe wird die Praxisanwendung am Beispiel Handelsfinanzierung aufgezeigt sowie eine abschließendes Fazit gezogen.

*Monica Fernandez ist Leiterin Corporate Bonds Research bei der DZ BANK.

8. August 2018, 8:43 Uhr

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Ein Kommentar

Zum Inhalt: „…und die Daten werden verschlüsselt“ ist nur in Ausnahmefällen richtig. Bei einigen Blockchain-Implementierungen wird der Transportweg verschlüsselt oder über zero-knowledge-proofs so etwas ähnliches wie eine Verschlüsselung eines Teils der Daten ermöglicht. Aber die Blockchain im Sinne des Datenspeichers ist nicht verschlüsselt. Auch die Folgerung ist so nicht richtig: „Die Verschlüsselung stellt auch sicher, dass jeder Netzwerkteilnehmer nur den Teil der in der Blockchain gespeicherten Daten bearbeiten und ändern kann, den er besitzt.“ – Eine Verschlüsselung würde nicht das Bearbeiten/Ändern verhindern, sondern das Lesen der Daten. Das Bearbeiten/Ändern von Daten durch den Besitzer wird jedoch durch elektronische Signaturen sicher gestellt, da diese den anderen Teilnehmern beweisen, wer der Besitzer der Daten ist.

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