Verändert die Blockchain-Technologie die Unternehmenswelt? (1) Der Hype um die Blockchain ebbt ab

Autor: Gastautor
Ankerkette

Gastbeitrag von Monica Fernandez*

Dank der Blockchain-Technologie können mit Hilfe mathematischer und kryptographischer Methoden Werte, wie Geld, Rechte an Immobilien, Güter, Arbeit oder sogar Wahlstimmen in einer offenen dezentralisierten Datenbasis transferiert und gespeichert werden. Das Revolutionäre daran ist, dass die Authentizität der Datenbankeinträge von einer gesamten Community verifiziert wird. Das macht nachträgliche Änderungen der Eintragungen so gut wie unmöglich und eröffnet damit beachtliches Potenzial für den vertrauenswürdigen Werte-Transfer. Bis die neue Technologie ihre Kinderkrankheiten überwindet und im Alltag der Unternehmen angekommen sein wird, ist es sicherlich noch ein weiter Weg mit Rückschlagspotenzial. Auch müssen in regulierten Branchen die Regulatoren von der Nützlichkeit der Technologie noch überzeugt werden.

Die neue Technologie kann aus jetziger Sicht vor allem die Prozesse in der Logistikbranche und in geringerem Umfang auch in der Versorgerbranche auf ein neues Effizienzniveau heben. Die Einsparpotenziale durch den Einsatz der Blockchain-Technologie sind immens. In der Handelsfinanzierung kann durch die Blockchain der Zugang gerade kleinerer und mittlerer Unternehmen zu Liquidität verbessert werden. Auch im öffentlichen Sektor finden sich viele Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain. Die recht junge Technologie hat allerdings noch ein paar Kinderkrankheiten. Sie funktioniert kaum unter einer größeren Datenlast. Die Datenbankabfragen gestalten sich deutlich langsamer als bei herkömmlichen Datenbanken. Auch die rechtlichen Aspekte bedürfen noch der Klärung. An diesen Herausforderungen wird mit viel Energie gearbeitet. Einige Projekte auf der Basis zugangsbeschränkter Blockchains klingen schon recht vielversprechend.

Mit dem Absturz des Bitcoins im Frühjahr dieses Jahres ist es um die Blockchain-Technologie etwas ruhiger geworden. Dennoch lohnt ein Blick auf diese neue Technologie, die das Potenzial hat, in einigen Jahren die Abwicklung von Verträgen und Zahlungsströmen so zu verändern, wie zuvor das Internet unsere Kommunikations- und Einkaufsgewohnheiten revolutioniert hat. Der erste Hype scheint zwar vorbei zu sein, aber die Chancen für die neue Technologie stehen gut: Denn gegenwärtig fließen hohe Beträge in Projekte, die die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie in der Praxis ausloten sollen. Im Jahr 2021 sollen sich die Investitionen bis auf 9,7 Mrd. US-Dollar fast verfünffachen.

1. Hype um die Blockchain ebbt ab

Mit dem Absturz des Bitcoins im Frühjahr dieses Jahres ist es um die Blockchain-Technologie etwas ruhiger geworden. Dennoch lohnt ein Blick auf diese neue Technologie, die das Potenzial hat, in einigen Jahren die Abwicklung von Verträgen und Zahlungsströmen so zu verändern, wie zuvor das Internet unsere Kommunikations- und Einkaufsgewohnheiten revolutioniert hat. Moderne Kommunikationstechnologie erlaubt es Menschen rund um den Erdball, direkt miteinander zu kommunizieren, Video-Calls, Instant Messages, Emails und Bilder können bis in den hintersten Winkel des Planeten transportiert werden. So weit ist die Entwicklung im internationalen Handels- und Zahlungsverkehr noch nicht. Wenn es um den vertrauenswürdigen Transfer von Geld und Werten geht, wird jedoch heute in der Regel noch ein Intermediär benötigt, um eine Transaktion abzuschließen. Durch die Blockchain wird die Wertschöpfung vieler Intermediäre obsolet. Die neue Technologie könnte durch ihren Transparenz-Charakter viele Geschäftsmodelle, die auf Vertrauen basieren, überflüssig machen.

Die Blockchain verspricht nun erstmals eine vollständige Transparenz, weil eine Datenbasis auf einem Netzwerk von Computern einer Community aufgebaut werden kann, die von allen Mitgliedern der Community eingesehen und kontrolliert werden kann. Mit der Blockchain-Technologie können mit Hilfe mathematischer und kryptographischer Methoden Werte, wie Geld, Rechte an Immobilien, Güter, Arbeit oder sogar Wahlstimmen in einer offenen dezentralisierten Datenbasis transferiert und gespeichert werden. Das Revolutionäre daran ist, dass die Authentizität der Datenbankeinträge von der gesamten Community verifiziert wird. Nicht mehr ein einzelner Intermediär kontrolliert und speichert die Daten, sondern die ganze Community auf ihren jeweiligen Geräten. Das macht nachträgliche Änderungen der Eintragungen so gut wie unmöglich und eröffnet damit unglaubliches Potenzial für den vertrauenswürdigen Werte-Transfer. Bis die neue Technologie ihre Kinderkrankheiten überwindet und im Alltag der Unternehmen angekommen sein wird, ist es sicherlich noch ein weiter Weg voller Rückschläge. Auch müssen in regulierten Branchen die Regulatoren von der Nützlichkeit der Technologie überzeugt werden. Aber die Chancen für die neue Technologie stehen gut: Denn gegenwärtig fließen hohe Beträge in Projekte, die die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie in der Praxis ausloten sollen. Nach einer Studie International Data Corporation betragen die Ausgaben für Blockchain-Lösungen im Jahr 2018 voraussichtlich 2,1 Mrd. US-

Dollar und damit mehr als das Doppelte der im Jahr 2017 aufgewendeten Beträge. Im Jahr 2021 sollen die Investitionen bis auf 9,7 Mrd. US-Dollar fast verfünffachen.[1]

Viele Firmen sind in den vergangenen Jahren im Zuge des Blockchain-Hypes auf den Blockchain-Zug aufgesprungen. Manche Änderung von Geschäftskonzepten mutet schon recht skurril an. So haben Unternehmen ihre Namen und Geschäftszwecke angepasst und um den Zusatz „Blockchain“ erweitert. Manche haben die geänderte Geschäftsidee so erfolgreich verkauft, dass sich ihr Aktienkurs massiv in die Höhe treiben ließ. Das lässt Erinnerungen an die Dot-Com-Ära aufkommen. Heise Online berichtete Ende 2017 von der Umbenennung der Long Island Iced Tea Corp. in Long Blockchain Corp., die zu einer Verdreifachung des Aktienkurses der Company beigetragen habe[2]. Nimmt man nur eine Auswahl der an der Frankfurter Börse gelisteten Aktien mit Blockchain-Hintergrund, liest sich die Liste der umorientierten Blockchain-Unternehmen schon recht lang: 360 Capital Financial heißt nun 360 Blockchain Inc. und hat sich dem Bitcoin Mining und der Blockchain Security verschrieben. NetCents Technology arbeitet zusammen mit Finanzpartnern, Mobilfunkbetreibern und Börsen an Online-Zahlungstransaktionen. DigitalX will Bitcoin-Bankautomaten entwickeln und vertreiben. Carrus Capital heißt jetzt global Blockchain Technologies und agiert als Blockchain Investor. BiOptix Diagnostics hat sich umbenannt in Riot Blockchain Inc. und investiert mit viel frischem Kapital in Bitcoin Mining Server. Aus Brain Cloud AG wurde Advanced Blockchain AG. BTL Group bietet Dienstleistungen auf Basis der eigenen Blockchain Interbit für die Bereiche Financial Services, Energy, Registry und Gaming. Aus Maier und Partner AG wurde die netcoin.capital AG, die ebenfalls eine Neuausrichtung des Geschäftszwecks in Richtung Blockchain bekannt gab.[3]

Einen Anhaltspunkt für das weltweite Wachstum neuer Unternehmen in diesem Bereich gibt das Volumen der globalen Investitionen von Venture-Capital-Gebern (Wagniskapitalgebern) in Blockchain-Startups. Im Jahr 2017 beliefen sie sich laut Statista auf insgesamt rund 645 Mio. US-Dollar.

 

Neben Unternehmen mit Startup-Charakter sind es vor allem die großen namhaften Unternehmen in den jeweiligen Branchen, die in der Blockchain-Technologie hohes Potenzial sehen. Beratungsfirmen haben Ableger gegründet, deren ausschließlicher Zweck die Erforschung und Vermarktung der Blockchain-Technologie ist. Die globalen IT-Unternehmen, wie IBM und SAP, sind bereits mit marktfähigen Produkten basierend auf der Blockchain-Technologie auf dem Markt.


Dieser Beitrag ist Auszug aus der Studie “Die Blockchain-Technologie verändert die Unternehmenswelt“ und der erste Teil einer dreiteiligen Serie. Im nächsten Teil der Reihe werden die Vor- und Nachteile der Blockchain behandelt.

*Monica Fernandez ist Leiterin Corporate Bonds Research bei der DZ BANK.

[1]IDC Worldwide Semiannual Blockchain Spending Guide, 2017H1 vom 24.1.2018

[2] Martin Holland, Heise Online vom 22.12.2017

[3] Schillmann.com „Die 19 besten Bitcoin und Blockchain Aktien Tipps“, 30. Mai 2018

6. August 2018, 8:31 Uhr

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