Trendscouts erklären: Ein neues Geschäftsmodell – Die Sharing Economy

Autor: Gastautor
Portrait of business peopleFoto: gettyImages

Gastbeitrag von Bertrand Henkel*

AirBnB, Uber oder car2go – Plattformen, von denen jeder schon einmal gehört hat.  Sie basieren auf dem Trend der Sharing Economy. Bereits 2015 wurden etwa $ 15 Mrd. weltweit für die Sharing-Economy-Bereiche Reise, car sharing, Finanzwesen, Personalwesen, sowie Musik und video streaming umgesetzt. Einer Studie von PwC nach, wird der Umsatz  bis ins Jahr 2025 sogar auf rund $ 335 Mrd. ansteigen. Diese Prognose zeigt eindrucksvoll das Potential von Sharing Economy. Doch was bedeutet Sharing Economy?

Prof. Dr. Oliver Bendel bezeichnet den Begriff Sharing Economy als ein systematisches Ausleihen und gegenseitiges Bereitstellen von Gegenständen, Räumen und Flächen, insbesondere durch Privatpersonen. Die Begrifflichkeit der Sharing Economy umfasst nicht nur einen spezifischen Bereich, sondern mehrere Branchen, in denen das Sharing-Prinzip eingesetzt wird.

Das Sharing-Prinzip der gemeinschaftlichen Nutzung stellt allerdings kein grundlegend neues Modell dar. Bereits seit dem Bestehen von Bibliotheken, Videotheken, öffentlichen Waschsalons usw. wird das Modell angewandt. Dort nutzen Konsumenten Produkte, von denen sie selbst nicht Eigentümer sind. Seit dem Zeitalter des Internets und der Smartphones hat sich das Sharing-Economy-Prinzip jedoch weiterentwickelt. Konsumenten vernetzen sich innerhalb kürzester Zeit und nehmen Dienste noch schneller in Anspruch. Darüber hinaus spielen auch soziale Aspekte wie Konsumentenverhalten und -gewöhnung, Wertschätzung von Eigentum bzw. der Verzicht darauf eine entscheidende Rolle.

Der Einsatz von Sharing Economy wird in verschiedenen Branchen vertreten. Besonders bekannte Unternehmen sind hierbei Uber als Vermittlungsdienst zur Personenbeförderung und Airbnb als erfolgreiches Beispiel der Tourismusbranche. Das Prinzip des Teilens wird jedoch nicht nur für die eigene Nutzung verwendet. Private Nutzer bieten hier zunehmend auch eigene Leistungen an. Auch in der Finanzbranche wird das Prinzip des gemeinschaftlichen Teilens angewendet, wie etwa in der Crowdfunding-Plattform auxmoney. Im Genossenschaftsbereich werden Mobilitätskonzepte seitens des DG VERLAGs mit dem Geno-FilialConcept (Ladestationen E-Mobilität) unterstützt, woran erste Volksbanken Raiffeisenbanken teilnehmen. Des Weiteren bietet im Bereich Carsharing die R+V Versicherung einen Versicherungsschutz in Form eines Rahmenvertrages an.

Neben den vielen Vorteilen der Sharing Economy, wie etwa der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen, Kostenreduzierung und Flexibilität, bestehen auch Bedenken bezüglich der rechtlichen Aspekte. Start-Ups bzw. Sharing-Unternehmen wie Uber müssen nicht die gleichen Auflagen erfüllen bzw. Versicherungen zahlen wie Taxifahrer, was zu einem unrechtmäßigen Wettbewerbsvorteil führt. Ebenso lässt sich immer öfter beobachten, wie Investoren versuchen, das Konzept für sich zu nutzen, indem sie bspw. Wohnungen aufkaufen und diese nur über AirBnB vermieten ohne darin zu wohnen. Dies führt zu erhöhtem Wohnungsmangel und damit zur nicht nachhaltigen Nutzung des Konzeptes von Sharing Economy. Die im September 2013 gegründete European Sharing Economy Coalition (EURO-SHE) setzt sich dafür ein, der Sharing Economy eine einheitliche Regulierung zu geben.

Abschließend lässt sich allerdings sagen, dass durch die Digitalisierung und das veränderte Kundenverhalten das Sharing Prinzip immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Dabei wird sich das Geschäftsmodell vieler Unternehmen zunehmend in Richtung eines Dienstleistungsunternehmens ändern müssen. Es steht nicht mehr der Verkauf einer Sache oder eines Gegenstandes im Fokus, sondern vielmehr die Erbringung einer Dienstleistung durch diese Sache oder den Gegenstand.

*Bertrand Henkel ist derzeit Trainee in der DZ BANK AG im Bereich Kredit mit Schwerpunkt Verbriefung und seit Anfang des Jahres Mitglied des Trendscouting Teams.

 

Quellen:

  •     Wikipedia
  •     http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/sharing-economy.html
  •     http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/share-economy-vom-wert-des-teilens-13990987.html
  •     http://www.zeit.de/2014/27/sharing-economy-tauschen/seite-2
  •     https://www.pwc.com/us/en/technology/publications/assets/pwc-consumer-intelligence-series-the-sharing-economy.pdf
  •     https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Newsletter/Nachhaltigkeit/8-KW1/1-Texbausteine/Nagelprobe-N/4-sharing-economy-studie.html
  •     https://de.statista.com/infografik/7024/nutzung-von-sharing-economy-angeboten/
16. April 2018, 7:00 Uhr

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