Kryptowährungen: Währungswettbewerb oder Spekulationsobjekt (Teil 2): Werden Zentralbanken bald ihre eigenen Kryptowährungen ausgeben?

Autor: Dirk Elsner
GettyImages: Pixelated bitcoin symbol in skyFoto: GettyImages
GettyImages: Pixelated bitcoin symbol in sky

Das Thema Kryptowährungen hat längst den Finanzsektor erreicht und ist unter Zentralbanken, Banken und Aufsehen ein vielbeachtetes Thema geworden. Im ersten Teil dieser zweiteiligen Reihe[1] haben wir uns mit ausgewählten Problemen und Risiken im Umgang mit “Kryptowährungen”  befasst. In diesem Teil geht es um die Frage, wie Zentralbanken damit umgehen.

Von Dirk Elsner und Gerrit Pecksen*

Zentralbanken sehen die Entwicklung von “Kryptowährungen” mehrheitlich kritisch, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie potenziell die Effektivität ihrer Geldpolitik beeinträchtigen könnte. Die deutsche Bundesbank warnt beispielsweise aufgrund der fehlenden Wertgrundlage explizit vor der Nutzung von Bitcoins und fordert eine strenge Regulierung. In Europa beschäftigt sich die EU-Kommission bereits seit dem letzten Jahr intensiv mit der Regulierung von Digitalwährungen. Besonders fortschrittlich ist in dieser Hinsicht Japan. Dort sind zum 1. April umfangreiche Gesetzesänderungen in Kraft getreten, die unter anderem eine verschärfte Kontrolle von Bitcoin-Börsen vorsehen. Andernorts wird mit sehr drastischen Maßnahmen gegen “Kryptowährungen” vorgegangen. China und Russland haben beispielsweise erst kürzlich heimische Krypto-Börsen verboten.

Zentralbanken beschäftigen sich jedoch nicht nur mit den negativen Auswirkungen von “Kryptowährungen”, sondern forschen auch intensiv an der Möglichkeit, selbst die Technologie der Blockchain zu nutzen, zum Beispiel in Form einer digitalen Zentralbankwährung. Es gibt dabei im Einzelnen verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten, jedoch wäre es damit grundsätzlich möglich, die Vorteile der “Kryptowährungen”, wie die kurze Transaktionsdauer und die geringen Kosten, mit denen staatlicher Währungen zu kombinieren.

Erst vor einigen Wochen hat auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich eine Studie zum Thema digitale Zentralbankwährungen veröffentlicht[2]. Sie unterscheidet dabei zwischen zwei denkbaren Formen: eine Form wäre universell zugänglich und könnte beispielsweise im Einzelhandel oder zwischen Privatpersonen eingesetzt werden, eine zweite Form wäre eher für größere Zahlungen, wie beispielsweise Interbankgeschäfte, vorgesehen und nur für bestimmte Gruppen, darunter Banken, zugänglich. Kostenintensive Validierungsprozesse, die bei der Einzelhandelsvariante notwendig wären, könnten bei der zweiten Variante durch einen vertrauenswürdigen Dritten übernommen werden. Abbildung 1 zeigt, wie sich diese Formen der Zentralbankwährung (Englisch: Central bank cryptocurrencies, kurz CBCC) in die Taxonomie des Geldes einordnen würden.

Taxonomie des Geldes (Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleic)

Die Einführung einer solchen digitalen Zentralbankwährung könnte vor allem dann sinnvoll sein, wenn es in Zukunft kein Bargeld mehr gibt. Denn zurzeit bietet Bargeld die Möglichkeit, Transaktionen anonym durchzuführen. Sollte es diese Option nicht mehr geben, könnten digitale Zentralbankwährungen, die nicht personenbezogen nachverfolgt werden, somit einen ähnlichen Grad an Anonymität gewährleisten.

Es verwundert daher nicht, dass die Entwicklung einer solchen Währung vor allem in Ländern sehr fortgeschritten ist, in denen nur noch wenig Bargeld verwendet wird. Ein Beispiel hierfür ist Schweden. Über 50% der Schweden nutzen bereits die App “Swish”, mit der eine Überweisung zu einer anderen Geschäftsbank in Sekundenschnelle vollzogen werden kann. Die schwedische Zentralbank hat parallel das Projekt “eKrona” ins Leben gerufen, dessen Ergebnisse jedoch erst 2019 vorliegen sollen. Ähnliche Projekte sind der “Fedcoin” oder der “CADcoin”. Beim Fedcoin handelt es sich um ein Beispiel für die universell zugängliche Variante einer digitalen Zentralbankwährung, das jedoch nicht offiziell von der amerikanischen Zentralbank unterstützt wurde. Der CADcoin, an dessen Entwicklung auch die Bank of Canada beteiligt war, ist hingegen der Variante für den Interbankenverkehr zuzuordnen. Die verschiedensten Projekte kommen zu dem Ergebnis, dass Zahlungssysteme auf Basis der Blockchain zwar durchaus funktionieren, allerdings noch nicht reif für eine weitreichende Umsetzung sind. Fraglich ist beispielsweise, ob solche Systeme auch bei schneller, massenweiser Transaktionsabwicklung die notwendige Stabilität gewährleisten können.

Fazit

Neun Jahre nach der Veröffentlichung des berühmten Whitepapers von Satoshi Nakamoto, dem Entwickler von Bitcoins, ist das Interesse an der Verwendung von “Kryptowährungen” auch in der Finanzwelt stark gestiegen. Die bislang erkennbaren Auswirkungen auf das Zahlungs- und Geldsystem sind zwar minimal, doch zeichnet sich sowohl in Forschungspapieren als auch in ersten Anwendungsfällen ein hohes Potenzial ab. Maßgebliche Katalysatoren der weiteren Entwicklung werden Zentralbanken und Regulatoren sein.

Vieles spricht dafür, dass die Zahl der Nutzer solcher “Kryptowährungen” deutlich höher wäre, wenn Kunden unter einem gesicherten regulatorischen Rahmen “Kryptowährungen” direkt über ihre Hausbank erwerben und verwenden könnten. Dass dies bislang nicht möglich ist, hat verschiedene Gründe. Zum einen folgt die Konstruktion von “Kryptowährungen” einem anderen Paradigma als herkömmliche Währungen, denn grundsätzlich können sie auch ohne Banken verwendet werden. Zum anderen steht weiter die Vermutung im Raum, dass die aktuelle Entwicklung bei “Kryptowährungen” eher spekulative Gründe hat und die Blase irgendwann platzen könnte. Derzeit ist besonders das Interesse institutioneller Investoren groß, die an den Kurssteigerungen teilhaben wollen. Irgendwann wird jedoch auch die fundamentale Entwicklung, zum Beispiel in Form einer höheren Akzeptanz durch Händler, den hohen Kurs rechtfertigen müssen. Diese Unsicherheit macht es Finanzmarktakteuren schwer, sich klar zu positionieren, und hemmt damit bislang auch die Entwicklung.

___________________________

* Dirk Elsner ist Senior Manager der Abteilung Innovation und Digitalisierung in der DZ BANK. Gerrit Pecksen ist Research Assistent in der DZ BANK.

[1] Diese Reihe ist eine aktualisierte Fassung eines Beitrags, den wir für den ifo Schnelldienst, Ausgabe 22/2017 v. 23.11.2017 verfasst haben.

[2] Siehe Morten Bech und Rodney Garratt, Central bank cryptocurrencies, BIS Quarterly Review, September 2017.

18. Dezember 2017, 8:01 Uhr

Diesen Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.00 Anzahl abgegebener Bewertungen: 5

2 Kommentare

Müssen die Zentralbanken denn zwingend ihr eigenes Süppchen kochen, mit Ripple existiert doch schon eine Lösung am Markt?

Diese Fragen können nur die Zentralbanken selbst beantworten. Um die Potenziale der neuen Technologie zu verstehen, scheint es aber schon sinnvoll, eigene Anstrengungen zu unternehmen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


18 − 3 =