So arbeiten wir im Innovation LAB der DZ BANK

Autor: Dirk Elsner

Innovation Labs erfreuen sich neuerdings im Finanzgewerbe hoher Beliebtheit. Dabei erklärt die Wortschöpfung aus Innovation und Labor zunächst nicht viel, denn die hinter Begriffen wie „Innovation Lab“, „Co-Working Hub“ oder „Innovationswerkstatt“ stehenden Konzepte werden sehr unterschiedlich gelebt. Hier erklären wir unser Konzept.

Für manche Unternehmen ist ein Lab eine modern-kreativ eingerichtete Fläche, in der Design-Thinking-Workshops und andere Kreativ-Formate stattfinden. Andere verstehen darunter eine Art Denkwerkstatt, in die Problemstellungen hineingegeben und Lösungsansätze erarbeitet werden, oft abgeschottet vom Tagesgeschäft  der Fachbereiche. Für wiederum andere besteht ein Lab aus einer kompletten Entwicklungsstrecke von der Ideenfindung bis hin zur technischen Fertigstellung des Produkts. Klar ist heute nur: Kein Lab gleicht dem anderen.

Das Innovation LAB der DZ BANK versteht die Bank als Raum und Plattform für die Fachbereiche und Gruppenunternehmen der Bank, um nach der Ideenfindungsphase in drei Monaten einen ersten Prototyp zu entwickeln und zu erproben.

Dabei sind alle Arten von Innovationen denkbar, also Produkt-, Prozess- oder Geschäftsmodell-Innovationen. Möglich ist ebenso eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, natürlich auch mit Startups.

Konzeptskizze für das Innovation Lab der DZ Bank

Am Ende einer Lab-Phase (Batch) soll ein übergabefähiger Prototyp stehen mit begleitendem Research-Papier. Dazu gehören auch ein Business Case und ein konkreter Vorschlag zum weiteren Vorgehen, der ausdrücklich auch die Einstellung des Vorhabens enthalten darf. Die Lab-Phase endet mit einem Pitch vor dem Gesamtvorstand.

Rückkopplung der Erfahrung in die Bank

Wichtig ist der Bank, dass alle Beteiligten die Erfahrungen aus der agilen Arbeit im Lab mitnehmen und in die Bank rückkoppeln. Auch deswegen ist eine zentrale Voraussetzung für einen Platz im Lab, dass jene Fachbereiche, die Ideen einbringen, dafür auch mindestens einen Mitarbeiter in Vollzeit als Product Owner abstellen.

Der Product Owner vertritt das Produkt, macht die fachlichen Vorgaben, berücksichtigt dabei die Unternehmens- und Marktanforderungen und priorisiert das Entwicklungsvorhaben. Der Product Owner ist kein Projektleiter im Sinne des klassischen Projektmanagements. Vielmehr soll er sicherstellen, dass das Entwicklungsteam über die entsprechenden Vorgaben verfügt, ein Produkt zu entwickeln.

Die Methodik nennt die Bank „Scrum in Verbindung mit Build-Measure-Learn“. Scrum gilt als moderne agile Methode für Softwareprojekte. Hier wird in iterativen Abschnitten (sogenannte Sprints) gearbeitet. Der Product Owner erstellt dazu ein sogenanntes Product Backlog (Aufgabenliste) und sogenannte User Stories, das sind kurze Geschichten über die künftigen Nutzer einer Anwendung. Zum Konzept gehört weiterhin das Einfließen von Feedbacks nach jedem Sprint.

Das Bank-Lab als Accelerator

Das Lab der DZ BANK ähnelt einem  Accelerator-Programm. Neben den Räumlichkeiten, den Entwicklern und der Methodik enthält ein Lab-Durchlauf auch ein Coaching und die Unterstützung durch verschiedene Workshop-Formate. Dazu gehören Storytelling, Pitch-Training, Basics für die Erstellung eines Business-Plans sowie die Auseinandersetzung mit wichtigen bankpraktischen Voraussetzungen wie Compliance, Datenschutz, IT-Security und Rechtsthemen. Eine Evil-Challenge sorgt dafür, dass die Teams sich bewusst mit negativen Argumenten gegen ihr Produkt auseinandersetzen.

Für die Fachbereiche ist das Lab attraktiv, weil sie neben der hohen Sichtbarkeit beim Vorstand über diesen Weg schneller neue Ideen erproben können und auch Risiken in der Planung eines teuren Projekts reduzieren, etwa weil man bei einem nur auf theoretischer Analyse und am Reißbrett entworfenen Produkt kaum belastbare Informationen über die Marktfähigkeit erhält.

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Der Beitrag ist ursprünglich erschienen im IT-Finanzmagazin.

27. Februar 2017, 8:43 Uhr

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