Finanzdienstleister der Zukunft (These 4): Agile Arbeitsweisen lösen klassische Entwicklungsprozesse ab

Autor: Dirk Elsner

In der DZ BANK Gruppe sind wir uns sicher, dass Finanzdienstleister in der Zukunft anders aussehen werden als heute. Heute meinen Fachleute, Berater und Publizisten, dass es dabei stets um die Digitalisierung von Produkten und Prozessen geht. In der öffentlichen Diskussion spielt die Veränderung der Arbeitsweise selbst eine untergeordnete Rolle, zu Unrecht. Für die Praxis ist es nämlich ebenso wichtig, wie Produkte entwickelt werden, denn auch hier können eingefahrene Verhaltensweisen ein großes Hindernis für Veränderungen sein.

Wenn wir über Banken der Zukunft sprechen, geht es also nicht nur um Technologien, sondern auch um die Art wie wir arbeiten werden.

Bisher erschienen in dieser Reihe

  1. Einführungsbeitrag: Beitragsreihe zur Diskussion: Wo steht der moderne Finanzdienstleister 2025?
  2. These 1: Bedeutung der Filiale hat zugunsten anderer Zugangskanäle weiter abgenommen
  3. These 2: Die Markentreue der Kunden nimmt ab
  4. These 3: Betreuen uns künftig mehr Maschinen?

Es reicht heute nicht mehr aus, eine Lösung im stillen Kämmerlein zu analysieren und zu entwerfen. Wir müssen uns von statischen Lösungswegen verabschieden und neue Wege gehen.

Zu den relativ junge Begriffen der neuen Arbeitswelt der Finanzdienstleister gehört Agilität. Wir haben den Begriff in unserem InnoWiki erläutert. Allgemein versteht man darunter die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv und anpassungsfähig zu sein. Was technokratisch klingt und nach Interpretation ruft, hat einen ganz praktischen Hintergrund. Innovation und Digitalisierung sollten, wenn sie auch Kunden und Mitarbeitern Vorteile bieten sollen, deren aktive Rückmeldungen berücksichtigen. Agile Methoden machen nämlich vor allem da Sinn, wo das Wissen über die Anforderungen etwa an ein neues Produkt zu Beginn noch nicht klar ist.

Ein Beispiel für eine agile Methode ist die „Scrum-Methodik“, die wir auch in unserem Innovation LAB verwenden. Scrum erlaubt bei der Entwicklung von Prototypen, neue Ideen und Ansätze schneller auf den Prüfstand zu stellen und herauszufinden, welche Lösungen machbar sind und welche nicht. Kurze Entwicklungszyklen (Sprints genannt) bieten die Möglichkeit, Anforderungen und Prioritäten schneller anzupassen und aktiv Kundenrückmeldungen in die Entwicklungsarbeit einfließen zu lassen.

Schon heute setzen Banken in vielen Bereichen auf agile Arbeitsweisen. Unsere These daher:

Agile Arbeitsweisen werden klassische Entwicklungsprozesse insbesondere für die Innovationsentwicklung ablösen

Das heisst: Geschäftsmodelle und Produkte werden (soweit es die Regulierung zulässt) kontinuierlich in agilen, kreativitätsfördernden Formaten (weiter-)entwickelt und auch in Zusammenarbeit mit Kunden verprobt. Die klassischen Entwicklungsprozesse werden insbesondere für kundennahe Leistungen mit schnellen und Agile Innovationsformate sind im Regelbetrieb von Finanzdienstleistern integriert.

Klassische Produktentwicklungszyklen mit den Phasen Fachkonzept, IT-Konzept, Entwicklung, Test, Pilot und Markteinführung sind zu träge geworden. Sie werden nur noch in Ausnahmefällen angewendet und dort, wo es aus regulatorischen oder Sicherheitsgründen zwingend geboten ist. Dabei hilft, dass die Regulierung sich weg von prozess- hin zu ergebnisorientierter Regulierung weiterentwickelt.

Was meinen Sie?

Werden tatsächlich im Jahr 2025 agile Arbeitsweisen die Entwicklungspraxis in Banken dominieren? Oder handelt es sich um einen Hype, der in den nächsten Jahren abebben wird? Teilen Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren mit.

Hintergrund zu agilen Arbeitsweisen

Onpulson (2016): Wirtschaftslexikon – Unternehmensführung Agilität. Campus Verlag, http://www.onpulson.de/lexikon/agilitaet

Albert, Julia-G./Kumbier, Lars. (2014). denkmodell: Mit agiler Planung zum Erfolg – Inspirationen aus der Softwareentwicklung. https://www.denkmodell.de/hintergrund/agile-methoden

Rubin, Kenneth S.; Essential Scrum (2014): Die wesentlichen Aspekte von Scrum zum Lernen und Nachschlagen – Hervorragend geeignet für die Scrum-Zertifizierung (mitp Professional)

Kiel, Christopher (2015): Agiles Projektmanagement: So funktioniert die Scrum-Methode. http://www.mittelstand-die-macher.de/management/prozess-projektmanagement/agiles-projektmanagement-so-funktioniert-die-scrum-methode-3778, 25.10.2016.

Entwickler.de: 5 Gründe für das Scheitern agiler Methoden

20. Februar 2017, 6:58 Uhr

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Ein Kommentar

Die Technologiesprünge (Hardware und Software) sind in den letzten fünf Jahren immens vorangeschritten. Agilität und Skalierbarkeit wird über die Cloud zur Verfügung gestellt und erfüllen immer mehr regulatorische Anforderungen. Im Entwicklungsbereich ist es ein Standard über öffentliche und globale Communities sich auszutauschen. Universelle Kommunikation und Zusammenarbeit egal von wo oder welchem Gerät ist heute schon möglich.

Im Kommerziellen Bereich haben sich agile Prozesse (Apps, Internet, Youtube, neue Kommunikationswege, etc.) etabliert und werden immer schneller konsumiert. Uber hat einen ganzen Transportbereich mit einem Stück Software durcheinandergewirbelt, oder Kodak ist aufgrund der fehlenden Digitalisierung aus dem Markt gedrängt worden. Entscheidungszeiten für Trends und neue Technologien werden in Zukunft immer kürzer werden.
Ich bin der festen Überzeugung, dass alle Unternehmensbereiche die Grundlage (Arbeitskultur und Nutzung neuer Software) schaffen müssen, um agiler in Ihren Prozessen und Entscheidungen zu werden. Davon wird der Erfolg und das Wachstum der Unternehmen abhängen!

Die Frage ist nicht ob man einem Hype folgt, sondern wie schnell können die bestehenden Prozesse und System-Umgebungen neue Anforderungen im Unternehmen liefern!?

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