Innovationskraft von Städten lässt sich ausrechnen

Autor: Corinna Sander
Three young people in conference room working at diagramFoto: GettyImages/Westend61

Gerade ist wieder einmal ein Artikel erschienen, in dem der Frage nachgegangen wird, ob etablierte Finanzdienstleister und Fintechs Freunde oder doch eher Feinde sind.* Die Befragten Fintech-Vertreter wie auch Banker sind sich weitgehend einig:

Von einer Zusammenarbeit können etablierte wie auch junge Unternehmen profitieren, denn die Player bringen unterschiedliche Stärken ein. Die großen Geldhäuser verfügen über einen Knowhow-Vorsprung in Sachen Banking und Regulatorik und haben eine breite Kundenbasis. Fintechs entwickeln mit frischem Blick, hoher Kundenorientierung und vor allem hoher Geschwindigkeit innovative Lösungen für Teilbereiche der Wertschöpfungskette im Banking. Und gerade die hohe Dynamik bei der Innovationsarbeit ist im Zuge der Digitalisierung ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Und wo schlägt das Finanzherz Deutschlands, wenn nicht in Frankfurt? Mit dem neuen Frankfurter TechQuartier wird eine Plattform geschaffen, die junge Finanzunternehmen zum einen in die Finanzmetropole am Main locken und darüber hinaus den inhaltlichen Austausch zwischen alten Hasen und Newcomern der Branche gezielt fördern soll. Doch wird die Zentrierung von Unternehmen und Köpfen wirklich mehr Innovation bringen?

Eine mathematische Antwort findet sich in dem Buch „Wo gute Ideen herkommen“. In diesem Werk schreibt der amerikanische Wissenschaftsjournalist Steven Johnson über Umgebungen, die Kreativität und Innovation fördern. Wir erfahren bei der Lektüre unter anderem, was die Wissenschaftler Kleiber und West ausgehend von der Stoffwechselrate von Lebewesen über die Kreativität von Städten herausgefunden haben.

Wichtige Erkenntnis: Die meisten Innovationen entstehen im Kollektiv

Der Beobachtung nachgehend, dass größere Tiere länger leben als kleine und das Herz kleinerer Tiere schneller schlägt als das Herz großer Lebewesen hat der Biologe Max Kleiber folgende allgemeingültige Gesetzmäßigkeit herausgefunden: „Die Stoffwechselrate verhält sich umgekehrt proportional zur vierten Wurzel aus der Körpermasse. […] Ziehen wir die Quadratwurzel aus 1.000, erhalten wir (in etwa) 31. Die Quadratwurzel aus 31 ist (wiederum in etwa)  5,5. Das bedeutet, dass eine Kuh, die ungefähr eintausend mal so schwer ist wie ein Murmeltier, im Schnitt 5,5-mal so lange lebt und ihr Herz 5,5-mal langsamer schlägt als das eines Murmeltiers.“

So weit so gut. Der Physiker Geoffrey West hat seinerseits weiterüberlegt, ob sich Kleibers Formel auch auf Städte als quasi größte Lebewesen anwenden lässt. Verlangsamt sich also der „Stoffwechsel von Städten“, je größer diese sind? Hierzu hat ein Forscherteam eine Vielzahl an Daten wie etwa Benzin- und Stromverbrauch, Verbrechensraten, Länge des Straßennetzes und verlegter Kabel sowie die Anzahl angemeldete Patente von Städten weltweit gesammelt. Die Auswertungen zeigen im Ergebnis, dass die Formel tatsächlich auch für Städte gilt – zumindest in Bezug auf den Energieverbrauch. Es gibt jedoch auch einen gegensätzlichen Effekt, den Johnson in seinem Buch beschreibt:

„Alles, was mit Kreativität und Innovation zu tun hat, Patente und Forschungsetats etwa, schöpferische Berufe usw., folgte ebenfalls einem exakten mathematischen Verhältnis, aber mit einem fundamentalen Unterschied: Das Verhältnis der zum Bereich der Innovationen erhobenen Zahlen war nicht umgekehrt  proportional, sondern überproportional. Eine zehnmal größere Stadt stellte sich nicht nur als zehnmal so innovativ heraus wie ihr kleinerer Nachbar, sie war siebzehnmal innovativer, eine Großstadt von der fünfzigfachen Größe gar 130-mal.“

Insofern ist quasi der mathematische Beweis erbracht, dass es absolut sinnvoll ist, dass sich neben den Banken auch Fintechs und möglichst viele weitere Player in lokaler Nähe zueinander – wie zum Beispiel in Frankfurt am Main – ansiedeln!

 

Weitere Lesehinweise:

Steven Johnson: Wo gute Ideen herkommen. Eine kurze Geschichte der Innovation, ISBN 978-3-942073-10-3

FAZ: Aus Altbauten kommen die besten neuen Ideen

FAZ: TechQuartier Frankfurt: Damit die Hochhäuser nicht leer werden

fintechinsider: Banken vs. Fintechs: Warum die Streitlust verschwunden ist

*F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung (vom 03.01.2017): Freunde oder Feinde? Fintech-Unternehmen greifen die Banken an – und könnten am Ende doch eher zu Parnern als zu Konkurrenten werden (Daniel Schleidt)

12. Januar 2017, 8:30 Uhr

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