Beitragsreihe zur Diskussion: Wo steht der moderne Finanzdienstleister 2025?

Autor: Dirk Elsner
Businessman and young man watching digital tablet and waves of illuminationFoto: Getty Images/ Innocenti

Im Herbst schrieb die britische Tageszeitung The Telegraph, dass das Banking in 10 Jahren aussehen werde wie in einem Science Fiction Film. Visualisiert wurde das mit einem Bild aus dem Film Minority Report. Einigkeit besteht darin, dass die Finanzbranche in zehn Jahren anders aussehen wird. Aber wie sie genau aussehen wird, wissen wir nicht. Wir starten dazu eine Reihe mit Thesen. Die Finanzbranche steht, wie die übrige Wirtschaftswelt, vor einem Wandel, der unter den Narrativen Industrie 4.0 und Digitalisierung zusammengefasst wird. Darunter wird ein Bündel von Konzepten verstanden, mit denen traditionelle Produktions- und Dienstleistungsstrukturen schrittweise durch „digitale“ Strukturen sowie verteilte und vernetzte Informationen abgelöst werden. Diese werden in immer kürzeren Zeitabständen (idealerweise in Echtzeit) ausgewertet, angereichert, “intelligent” vernetzt und immer stärker automatisiert weiterverarbeitet.

Eine generelle Blaupause für die Digitalisierung der Finanzbranche existiert entgegen der Behauptung mancher Experten nicht. Unter dem Schlagwort Digitalisierung entstehen derzeit  zahlreiche neue Finanzprodukte und es werden bestehende Produkte und Dienstleistungen verbessert und dabei oft Abwicklungsprozesse optimiert und meist auch die Kosten gesenkt. Niemand weiß aber heute genau, welchen dieser konkreten Geschäftsmodellinnovationen sich in den nächsten Jahren durchsetzen werden und welche weiteren entstehen.

Ich erinnere ich mich an viele Prognosen, die bisher nicht eingetreten sind. Symptomatisch dafür steht der von Bill Gates geprägte und millionenfach zitierte Spruch: “Banking is necessary, banks are not”. Es dürfte wenig überraschen, dass wir als Finanzdienstleister diese Ansicht nicht teilen. Aber es gibt auch viele andere Vorhersagen, etwa zum mobilen Bezahlen oder in den 90er Jahren zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die sich bisher nicht bewahrheitet haben. Den manchen Prognosen eigenen übersteigerten Optimismus muss man also nicht immer zum Nennwert nehmen.  Aber: Man sollte ihr Nichteintreffen zugleich nicht als Rechtfertigung nehmen, alles werde so bleiben wie es ist. Das wird es garantiert nicht, denn die Geschwindigkeit und Verbreitung von Innovation nimmt stetig zu.

Auch wir haben uns in der DZ BANK Gruppe gefragt und diskutieren viel, wie der moderne Finanzdienstleister aussehen wird. Wir haben dazu eine fruchtbare Diskussion mit Innovations- und Produktmanagern unserer Unternehmensgruppe durchgeführt und diese in Thesen über den modernen Finanzdienstleister zusammengefasst. Insgesamt haben wir für die Thesen folgende Dimensionen unterschieden:

  1. Kunden und Produkte
  2. Mitarbeiter
  3. Organisation und Prozesse
  4. IT- und Infrastruktur

Wir haben diese Diskussion in einem Arbeitspapier für die Vision eines modernen Finanzdienstleisters zusammengefasst, dabei aber bewusst keinen inhaltlichen Konsens angestrebt. Stattdessen haben die Teilnehmer ihren Zustimmungsgrad zu den einzelnen Thesen bewertet.

Wir wollen in einer losen Beitragsreihe diese Thesen vorstellen und hier gern zur Diskussion stellen. Die Zustimmungsquoten veröffentlichen wir dabei bewusst nicht, weil uns auch Ihre Einschätzung interessiert. Dafür möchte wir Ihre Bewertung wissen und mit den jeweiligen Beiträgen eine kleine Umfrage via Twitter durchführen. Morgen geht es los mit der These zur Bedeutung der Filiale.

Ergänzenden Lesehinweise

Zum Kontext Industrie 4.0 und Digitalisierung existiert mittlerweile eine Fülle von Studien, Monographien und Aufsätzen. Siehe zum Beispiel: Roland Berger, IEF, Deutschland Digital, Sieben Schritte in die Zukunft, 2016.

4. Januar 2017, 8:34 Uhr

Diesen Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Durchschnittliche Bewertung des Artikels: 4.50 Anzahl abgegebener Bewertungen: 10

2 Kommentare

Die Beitragsreihe trifft den Nerv der Zeit.

In der Bankenwelt sind die meist vernachlässigten Dimensionen für die Umsetzung einer Digitalisierung
1. Mitarbeiter
2. IT – und Infrastruktur

Gleichzeitig sind das die Projekte, die durch den erforderlichen Kulturwandel am längsten benötigen!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *