Accelerator oder Inkubator – Was eignet sich für wen?

Autor: Michelle Berger
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In meinen letzten Beiträgen habe ich mich mit den Konzepten eines Inkubators und Accelerators beschäftigt. Aber wie lassen sich die Konzepte voneinander abgrenzen und wann ist ein Inkubator und wann ein Accelerator für Startups nützlich?

Beginnend mit dem übergeordneten Ziel, versucht ein Inkubator die Überlebenschance von Startups durch ein geschütztes Umfeld zu erhöhen, wohingegen ein Accelerator den Entwicklungsprozess der Startups beschleunigt (Cohen, 2013). Daraus ableitend resultieren unterschiedliche angebotene Leistungen. Ein Inkubator bietet primär Räumlichkeiten und einzelne Managementunterstützungen an. Ein intensives Mentorenprogramm wird insbesondere von einem Accelerator geboten, mit dem Ziel, die Startups persönlich und fachlich schnellstmöglich weiterzuentwickeln und das Geschäftsmodell für eine Investition vorzubereiten (Hoffman & Radojevich-Kelley, 2012). Nach Programmende erhalten die Startups im Accelerator am Demo-Day Feedback zu ihrem Produkt (Dee, Gill, Weinberg, & McTavish, 2015). Wegen des begrenzten Zeitrahmens finden Netzwerkveranstaltungen in einem Accelerator strukturierter und öfter als in einem Inkubator statt.

Die Dauer des Programms ist eines der wichtigsten Abgrenzungsmerkmale zwischen einem Inkubator und Accelerator (Cohen, 2013; Isabelle, 2013). Die Dauer eines Inkubators bleibt oft undefiniert oder ist nur mit einer Mindestlaufzeit angesetzt (z. B. der Inkubator der Deutschen Börse „FinTech Hub“ mit einer Mindestlaufzeit von sechs Monaten), wohingegen Acceleratoren ein zeitlich begrenztes Programm anbieten. Die begrenzte Durchlaufzeit bringt Startups dazu intensiver und disziplinierter zu arbeiten (Miller & Bound, 2011). Die unterschiedliche Dauer wirkt sich auf den Rekrutierungsprozess der Startups aus, welcher ein weiteres Abgrenzungsmerkmal darstellt. Bei einem Accelerator finden mehrfach jährlich Ausschreibungen für den nächsten Batch statt. In einem Inkubator werden freie Plätze nur nach Bedarf bei Verlassen eines Startups ausgeschrieben. Fixe, jährliche Termine für Programmstart und Programmende, bieten in einem Accelerator Ansatzpunkte für Veranstaltungen, welche den Bekanntheitsgrad fördern.

Weitere Abgrenzungsmerkmale liegen in der Entwicklungsstufe der Startups sowie die Erfahrung des Startupgründers, die bei den jeweiligen Programmen angesprochen werden sollen (Cohen, 2013).

In der Literatur ist man sich über die richtige Wahl des Programms (Inkubator oder Accelerator), abhängig von der jeweiligen Entwicklungsstufe des Startups, uneinig (Bergek & Norrman, 2008). Teilweise wird geraten, dass Startups zuerst einen Inkubator durchlaufen und anschließend in einen Accelerator gehen sollten (Dempwolf, Auer, & D’Ippolito, 2014; Isabelle, 2013). Andere Studien fanden heraus, dass Acceleratoren pre-seed-Startups adressieren und Inkubatoren Startups in der späteren Phase (Cohen, 2013; Dee, Gill, Weinberg, & McTavish, 2015). Diese Uneinigkeit kann von den unterschiedlichen Ausprägungen des Leistungsangebots abhängen, die sich im Laufe seines Bestehens erweitert und weiterentwickelt hat (s. Abschnitt 2.6).

An dieser Stelle ist es sinnvoll, die einzelnen Arten eines Inkubators, die ich in meinem letzten Beitrag vorgestellt habe (Coworking-Space, einem Coworking-Space-Plus und einem Company Builder) getrennt zu betrachten und anschließend die Entwicklungsstufe der im Programm befindlichen Startups als Abgrenzungsmerkmal anzuwenden. Ein Company Builder sollte, um eine Abgrenzung zwischen einem Inkubator und Accelerator klarer zu gestalten, als separates Programm neben dem Inkubator und Accelerator aufgeführt werden. Ein Inkubator in Form eines Coworking-Space-Plus bietet vor allem weiter entwickelten Startups einen Mehrwert durch das Anbieten von Räumlichkeiten und die Vermittlung von Kunden und Investoren. Ist ein Startup bereits etabliert, sind die Leistungen eines Coworking-Space ausreichend. Ein sehr junges Startup läuft in einem Inkubator (Coworking-Space/Coworking-Space-Plus) Gefahr, zu viel Zeit mit einem falschen Geschäftsmodell zu verlieren, ohne dieses vorher in einem „Proof-of-Concept“ in einem Accelerator getestet zu haben. An dieser Stelle wird klar, dass Acceleratoren im Gegensatz zu Inkubatoren jüngere Startups in einer früheren Phase adressieren.

 

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Quellen:

Bergek, A., & Norrman, C. (2008). Incubator best practice: A framework. Technovation, 28(1-2), 20–28. doi:10.1016/j.technovation.2007.07.008

Cohen, S. (2013). What Do Accelerators Do?: Insights from Incubators and Angels. Innovations: Technology, Governance, Globalization, 8(3-4), 19–25. doi:10.1162/INOV_a_00184

Dempwolf, S., Auer, J., & D’Ippolito, M. (2014). Innovation Accelerators: Defining Characteristics Among Startup Assistance Organizations.

Dee, N., Gill, D., Weinberg, C., & McTavish, S. (2015). Startup Support Programmes: What’s The Difference. Abgerufen von http://www.nesta.org.uk/publications/startup-support-programmes-whats-difference

Hoffman, D., & Radojevich-Kelley, N. (2012). Analysis of Accelerator Companies: An Exploratory Case Study of Their Programs, Processes, and Early Results. Small Business Institute Journal, 8(2), 54–70.

Isabelle, D. (2013). Key Factors Affecting a Technology Entrepreneur’s Choice of Incubator or Accelerator. Technology Innovation Management Review, (Februar 2013), 16–22.

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