Innovation Lab Inside: Wie macht man einen Diener

Autor: Imke Hahn
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Als eins von drei Projekt-Teams haben wir die Chance erhalten, unsere Produktideen im Rahmen des Innovation Lab der DZ BANK umzusetzen. Im September dieses Jahres sind wir (zwei Entwickler und zwei Mitarbeiter aus dem Fachbereich) mit unserer Idee – einem digitalen Assistent für Kleinstgewerbetreibende und Freiberufler – an den Start gegangen. Für uns ist das eine ganz neue Erfahrung, sind wir doch bisher eher ein klassisches Vorgehen nach Wasserfallmethodik gewöhnt.

Aber was heißt das nun genau, so ein agiles Projektvorgehen? Bereits im Vorfeld des Projektes haben wir begonnen, unser „Backlog“ zu füllen. Das Backlog enthält alle Anforderungen des Projektes, die entwickelt werden sollen. Anders als in der funktionalen Beschreibung im Pflichtenheft, beschreibt ein Backlog in der Scrum-Methodik sogenannte User Stories, die die  Bedürfnisse der späteren Nutzer unserer Lösung aufzeigen. Dabei ist wichtig herauszuarbeiten, wer was warum möchte. So sieht eine User Story für das Thema Rechnung erstellen z.B. wie folgt aus: „Der Nutzer möchte seinen Papierkram minimieren und mit wenigen Klicks eine vollständige Rechnung erstellen, um seinen Arbeitsaufwand zu reduzieren“.

Damit das Team das gleiche Verständnis hat und klar ist, welches Ziel wir vor Augen haben, haben wir uns gleich zu Beginn im Team zusammengesetzt und sind das Backlog durchgangen. Auf dieser Basis haben wir eine Priorisierung festgelegt und das sogenannte „Minimum viable product (MVP)“ für unseren Prototypen definiert. Dahinter steht der Gedanke, möglichst schnell ein Produkt mit den nötigsten Funktionen zu entwickeln und an den Markt zu bringen. Auf dieser Basis planen wir unsere Sprints.

Ein Sprint ist ein Zeitraum von ca. drei Wochen, in der die abgesprochenen Ergebnisse entwickelt werden. Es ist eine ganz neue Erfahrung für mich, dass eine Umsetzung unserer Ideen ohne zeitaufwendige, detaillierte Beschreibung möglich ist und in sehr kurzer Zeit die Ergebnisse am Bildschirm zu sehen und erlebbar sind. Daneben entstehen aus der Diskussion im Team weitere wertvolle Ideen, an die wir zuvor nicht gedacht haben. Beim klassischen Projektvorgehen wäre das Einbringen dieser neuen Ideen nur über einen aufwendigen Change Request Prozess möglich gewesen.

Im ersten Sprint haben wir uns mit dem Rechnungsausgang beschäftigt. Am Ende des Sprints präsentierte das Team live am System die Funktionen. Somit konnten wir bereits nach den ersten zwei Wochen testen, wie es sich anfühlt, Rechnungen mit dem VR BUTLER zu erfassen und per Knopfdruck die fertige Rechnung in den Händen halten können. Kunden und Stakeholder können so jeweils direkt eingebunden werden und wir erhalten direktes Feedback, ob die Ideen in die richtige Richtung gehen und den Marktbedarf treffen.

Im zweiten Sprint haben wir ausprobiert, wie wir möglichst einfach Rechnungspositionen mit Kontoumsätzen abgleichen und automatisiert Hilfestellungen geben, sofern Rechnungsnummer, Betrag oder Zahler nicht übereinstimmen. Der Anwender spart so einen aufwendigen manuellen Abgleich mit Kontoauszügen.

Im dritten Sprint haben wir getestet, wie wir papierbasierte Rechnungen in unseren Assistenten bekommen und aus den Angaben eine Kontozahlung erstellen können. Parallel zu den Sprints haben an einem übersichtlichen Cockpit gearbeitet. Das Cockpit zeigt dem Nutzer auf einem Blick alle wichtigen Informationen rund um sein Unternehmen und zeigt auf, sagt auf, was zu tun ist.

Mit Hilfe der Prototypen können wir bereits während der Entwicklungsphase Organisation und Kunden in den weiteren Entwicklungsprozess einbinden und so Hypothesen für den Marktbedarf sowie für Vertriebs- und Marktkonzepte testen. Das Vorgehen lässt mehr Raum für Kreativität als bisherige Vorgehensweisen für Neuentwicklungen und trotzdem behält man fokussiert das Ziel im Auge. Uns gefällt außerdem das frühe Feedback, das wir von unseren Anwendern erhalten. Dies gibt uns frühzeitig die Möglichkeit, dies noch während der Lab-Phase zu berücksichtigen. So können wir gemeinsam mit den Kunden ein Produkt weiterentwickeln und nicht eine 100%-Lösung, die am Kundenbedarf vorbeigeht.

16. November 2016, 7:44 Uhr

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