R+V Innovation Lab: Mit dem Schnellboot auf die Straße

Autor: Gastautor

Von Marc-Oliver Matthias, Abteilungsleiter Kraftfahrt-Betrieb, R+V Versicherung

Share-Economy, Digitalisierung, Automatisierung – wesentliche Facetten der industriellen und gesellschaftlichen Revolution. Die Automobilbranche ist hiervon besonders stark betroffen.

Alternative Mobilitätskonzepte wie p2p-carsharing oder Online-Vermittlungsdienste für Fahrdienstleistungen könnten das Marktvolumen verringern. Gleichzeitig müssen die Fahrzeughersteller viele Ressourcen in die Entwicklung massenmarktfähiger Lösungen für e-Mobilität oder automatisierte Fahrzeuge stecken.

Diese Veränderungen wirken auch auf angrenzende Branchen wie die Versicherungswirtschaft aus. Die bisherige Wertschöpfungskette wird zu einem Wertschöpfungsnetz mit zahlreichen neuen Playern, die alle um die Schnittstelle zum Kunden buhlen. Das klassische Modell der Autoversicherung wird nach Einschätzung vieler Experten diesen Wandel nicht überdauern. Wesentliche Veränderungen sind insbesondere bei der Risikobewertung, den Deckungsbedarfen und Kundenanforderungen zu erwarten.

Die R+V Versicherung setzt sich aktiv mit diesen Herausforderungen auseinander und hat hierfür vor Kurzem das Innovation Lab „Connected Car“ gegründet. Die neu geschaffene Einheit MO14 entwickelt abseits etablierter Konzernstrukturen neue und zukunftsfähige Produktansätze. Es geht um Schnelligkeit und Disruption, um mehr als nur Versicherung. Im Zentrum der Ideen steht immer das Kundeninteresse. Welche Kundenbedürfnisse sind noch nicht ausreichend gedeckt? Warum nicht? Was verhindert den Erfolg vorhandener Lösungen?

Das Team von MO14 besteht aus insgesamt sechs Innovatoren, welche in einem konzernweiten Ausschreibungsverfahren ausgewählt wurden. Die interne Besetzung ist ein zentraler Baustein, um neben der Nutzung des verfügbaren Fachwissens und Kreativpotentials, auch eine Rückkopplung und somit einen Beitrag zum innovativen Kulturwandel im Unternehmen zu fördern. Das Team ist interdisziplinär besetzt und vereint viele fachliche und methodische Skills.

Der Standort des Innovation Labs befindet sich in einem Hinterhaus in der Wiesbadener Innenstadt, außerhalb des R+V-Campus, logistisch und technisch entkoppelt von der R+V. Die räumliche Trennung soll die Abkopplung von tradierten Versicherungsphilosophien beschleunigen. Die Büroräume und das Workshop-Atelier erinnern eher an eine Kreativagentur als an eine Niederlassung eines Versicherungsunternehmens. Dabei geht es nicht darum ein Startup zu imitieren, sondern vielmehr, die Stärke und Stabilität des Konzerns mit den Vorteilen moderner Arbeitsphilosophien zu verknüpfen.

Die Organisation des interdisziplinären Teams ist daher auch hierarchiefrei, so dass jede Idee die gleiche Chance auf Realisierung erhält. Die Entscheidungen werden im Team gemeinsam gefällt. Jeder trägt die gleiche Verantwortung. Um schwierige Entscheidungsprozesse zu moderieren und gegebenenfalls zu beschleunigen, übernimmt ein Teammitglied wöchentlich wechselnd die Rolle des „deciders“, welcher mit doppeltem Stimmrecht mögliche Pattsituationen auflöst.

Die Erarbeitung und Vertiefung neuer Produktideen erfolgt nach dem Prinzip der Google Design Sprints, wodurch innerhalb einer Woche Hypothesen formuliert, Storyboards oder Customer Journeys beschrieben, Prototypen gebaut und an Testkunden verprobt werden. Bei positiver Kundenresonanz wird das Produkt weiterentwickelt, bei negativem Feedback und fehlenden Erfolgsaussichten nach dem Prinzip „fail fast“ beerdigt. Frühes Scheitern gehört daher zum Konzept und schafft Motivation und Fokussierung für neue Ideen. Die Philosophie dahinter hat MO14 in einem eigenen Manifest niedergeschrieben. Oberstes Gebot: „ALLES IST MÖGLICH, ist es nicht möglich, arbeiten wir daran“.

manifest_mo14Methodisch wird das Team von erfahrenen Coaches unterstützt. Ole Tillmann (PEAK Creative Leadership), Florian Peter (Mandalah), Thomas Schindler (delodi) und Sebastian Fittko (Eisblink) haben bereits erfolgreich eigene Unternehmen gegründet und Großunternehmen wie RWE, Lufthansa oder Daimler auf ihrem Innovationspfad begleitet. Die vier Berliner qualifizierten das Team zu Beginn für mehrere Tage und begleiteten es in den Folgewochen als Mentoren.

team1Neben der Entwicklung von konkreten Produktansätzen geht auch um den Aufbau und die Verbesserung des Netzwerks mit möglichen Kooperationspartnern im Bereich der Mobilität. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Partner ein DAX-Konzern oder ein in Gründung befindliches Startup ist. Was zählt ist das gemeinsame Interesse zum Austausch und zur Beschleunigung der Entwicklungsprozesse. Als Kommunikationsplattform wurde u.a. das meetup „Connected Car Rhein Main“ initiiert, das den Teilnehmern die Möglichkeit gibt, eigene Produkte zu präsentieren und gleichzeitig wertvolle Kontakte zu knüpfen. Das nächste Treffen findet am 13.12. um 19 Uhr statt.

7. November 2016, 7:52 Uhr

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