Trendsitter statt Trendsetter – Der DZ BANK Innovationsradar (Teil 1)

Autor: Dr. Fabian Prystav
trend_radar_detailFoto: Fabian Prystav / ITONICS GmbH

Banken müssen nicht immer Trendsetter sein. Wichtig ist aber: Nur wer Trends systematisch erfasst und priorisiert, kann fundierte Entscheidungen zum Abwarten oder Handeln treffen. In der DZ BANK Gruppe nutzen wie hierfür mit dem „Innovationsradar“ eine eigene Software-Plattform. In dieser Beitragsreihe gebe ich Ihnen einen Einblick.

Vorausrennen, folgen oder stehen

Das Handelsblatt berichtete vor Kurzem von den Plänen bei Google, das Team für selbstfahrende Autos aus dem auf „Moonshot Projects“ ausgerichteten Bereich „Google X“ herauszulösen und in ein eigene Einheit zu überführen. Kernbotschaft an die Investoren: Statt defizitärer Experimente, wie sie bei Google X Teil des Konzepts sind, glaubt man an die baldige Marktreife und sprudelnde Erträge. Apple hingegen setzte sein „Project Titan“ jüngst auf Sparflamme.

Das Beispiel zeigt: Bei der Entscheidung, ob man als Unternehmen First Mover sein will, um als erster neue Trends zu besetzen und Technologien zum Einsatz zu bringen, geht es weniger um den Ruhm und die Ehre als „Trendsetter“ zu gelten, sondern vornehmlich um ökonomische Entscheidungen. First Mover zu sein ist riskant: Hohen Anfangsinvestitionen stehen enorm unsichere Cashflows in der Zukunft entgegen. Google und Apple sind hier beim Thema „autonomes Fahren“ zu gegensätzlichen Einschätzungen gekommen.

Ohne Mitläufer ist ein Trend kein Trend

Trendsetter kann im Übrigen nur werden, wer als First Mover auch (Fast) Follower generiert, denn ohne Mitläufer war der Trend offenbar kein Trend. Als Trendsetter in der Finanzbranche gelten vor allem Fintechs. Damit ist nicht gesagt, dass etablierte Banken niemals Trendsetter sein können (man denke an „Viele schaffen mehr“ als erste Crowdfunding-Plattformen einer Bank in Deutschland oder den Beitrag der Commerzbank und ihrer Töchter zur Vernetzung mit der Fintechszene bei „Between the Towers“), meist sind Banken aber in verschiedenen Geschwindigkeiten „Follower“ oder auch „Not-at-all-Mover“. Letzteres ist eine legitime Entscheidung, sofern sie bewusst getroffen wird und nicht das Ergebnis von Unwissenheit oder Ignoranz ist.

Dafür brauchen Banken gute Trendsitter! Die Jobbezeichnung ist natürlich ein Fantasieprodukt (wenngleich gar nicht so abwegig in Zeiten, wo Unternehmen eigene Chief Happiness Officer beschäftigen). Wichtiger als der Name ist die Tätigkeit, nämlich sich systematisch um Trends und Technologien zu „kümmern“.

Innen- und Außenperspektive im DZ BANK Innovationsradar

In der DZ BANK Gruppe hilft uns dabei seit diesem Jahr eine spezielle Software-Plattform, der sogenannte „DZ BANK Innovationsradar“. Aktuell sind ca. 120 Kolleginnen und Kollegen mit Innovationsbezug aus den verschiedenen Geschäftsbereichen und Gruppenunternehmen der DZ BANK Gruppe auf der Plattform aktiv. Der Clou der Plattform ist die enge Verzahnung von Trend- und Technologiemanagement („Außenperspektive“) mit eigenen Innovationsaktivitäten („Innenperspektive“). Für heute bleiben wir beim Thema Trendmanagement.

Schritt 1: Trends erfassen

Grundsätzlich hat jeder Nutzer der Innovationsradar-Plattform die Möglichkeit neue Trends zu erfassen sowie bestehende Elemente inhaltlich anzupassen, um zum Beispiel eine passende Studie als PDF anzuhängen.

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Foto: Fabian Prystav / ITONICS GmbH

Dieser kollaborative Ansatz ist gut, aber kein Ersatz für ein Kern-Redaktionsteam, das sich um die Basisinhalte kümmert. Bei Trends arbeiten wir mit einer dreistufigen Gliederung in Mega-, Makro- und Mikro Trends. Zum Beispiel ist „Crowdfunding“ als Makro-Trend eingestuft, die verschiedenen Ausprägungsformen wie „Crowdinvesting“, „Crowdlending“ und „Donation-based Crowdfunding“ als Mikro-Trends. Dieses Herunterbrechen von der Makro- auf die Mikro-Ebene ist wichtig, denn sonst ist später die Aussagekraft der Trend-Bewertungen angesichts der Vielfältigkeit der in der DZ BANK Gruppe vertretenen Geschäftsmodelle zu gering.

Schritt 2: Mit Blick aufs eigene Geschäftsmodell bewerten

Die Nutzer der Innovationsradar-Plattform bewerten Trends auf einer 5er-Skala, entlang von zehn Kriterien (Kundennutzen, Ertragspotenzial, Massemarkttauglichkeit etc.).

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Foto: Fabian Prystav / ITONICS GmbH

Besonders wichtig dabei ist: Der User bewertet immer aus Perspektive des eigenen Geschäftsbereichs beziehungsweise Gruppenunternehmens, denn ein Trend wie „Crowd Insurance“ wird vermutlich für die R+V Versicherung eine andere Relevanz haben als für die Bausparkasse Schwäbisch Hall. Das System erkennt die Zugehörigkeit der User automatisch anhand des Logins, so dass später neben dem Gesamtdurchschnitt aller Bewertungen auch eine Filterung der Bewertungen nach Geschäftsbereichen beziehungsweise Gruppenunternehmen möglich ist.

Schritt 3: Flexibel auswerten

Der große Vorteil des Einsatzes einer dynamischen Online-Plattform für das Trendmanagement gegenüber einer manuellen Herangehensweise (zum Beispiel per Excel- oder PowerPoint) ist die Flexibilität in der Auswertung.

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Foto: Fabian Prystav / ITONICS GmbH

Ein Darstellungsformat hierfür ist der Trend-Radar, der sich über verschiedene Filter-Einstellungen individuell konfigurieren lässt und damit Ausgangspunkt für Erkundungstouren sein kann: Per Drill-Down im Radar erschließt der User sich neue Themengebiete, bekommt Verbindungen zwischen Trends aufgezeigt und kann bei Bedarf für Detailinformationen auf die jeweiligen Profil-Seiten navigieren. Als alternativer Weg bietet eine Dashboard-Darstellung schnellen Zugriff auf Top-Trends und -Technologien in Listenform, inklusive Export-Möglichkeit.

Ausblick

In Teil 2 der Beitragsreihe zur Innovationsradar-Plattform geht es beim nächsten Mal um die Verknüpfung mit den eigenen Innovationsaktivitäten in der DZ BANK Gruppe.

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4 Kommentare

Gute Idee und Beschreibung der induktiven Vorgehensweise bei Ausgestaltung und Einsatz dieses Früherkennungssystems. Weiter so, möchte man zurufen.

Interessanter Artikel. Bin auf den zweiten Beitrag gespannt. Wie findet man denn den Weg in die Gruppe der Innovationsbezogenen Kollegen bzw: wie wird man zum Nutzer und Nutzenstifter im Innovationsradar?

Hallo Herr Mohr, vielen Dank für Ihr Feedback. Ich melde mich dazu gerne noch einmal bilateral bei Ihnen. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir uns mit der Frage der weiteren Ausbaumöglichkeiten der Plattform – sowohl was den Funktionsumfang als auch den Nutzerkreis angeht – natürlich beschäftigen.

Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil. Eine tolle Idee!

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